Überrascht vom Widerstand: Ortsbürgermeisterin Ute Klenk-Kaufmann aus Eppelsheim über das geplante Hospiz

Autor: DRK-Krankenhaus Alzey

Die Idee für ein Hospiz im Dorf, eine Bürgerversammlung und jede Menge kontroverser Diskussionen. Hinter der Eppelsheimer Ortsbürgermeisterin Ute Klenk-Kaufmann liegen turbulente Tage. Die AZ sprach mit ihr über den unerwartet großen Widerstand im Dorf gegen die geplante Einrichtung.
Frau Klenk-Kaufmann, wie sehr hat Sie die emotionale Debatte überrascht?
Ganz überraschend kam es nicht, weil mir schon in den letzten Tagen einiges zu Ohren gekommen war. Bürger sollen besucht worden sein, um Unterschriften zu leisten, in bestimmten Straßen wurden Flyer verteilt. Viele Bürger, die sich an mich gewandt haben, waren betroffen, dass schon im Vorfeld der Versammlung vermittelt wurde, man müsse dagegen sein.
Sind Sie schockiert, wie viele Bürger gegen das Projekt sind?
Das kann ich so nicht sagen, aber ich hatte auf jeden Fall nicht damit gerechnet. Für mich ist das Thema allgegenwärtig, ich weiß, dass der Tod mitten im Leben ist. Und dass jeder einmal davon betroffen ist. Von daher habe ich mir das so nicht vorgestellt.
Woher rührt die Abneigung im Ort?
Dass man sich das nicht für ein Dorf vorstellen kann. Es war die Meinung, so etwas sollte nach Alzey oder Worms, aber nicht nach Eppelsheim. Dabei muss die Dorfbevölkerung natürlich auch sehen, dass auch sie von dem Thema betroffen ist. Oft wird uns gesagt: Alles ist in der Stadt, aber nichts ist auf dem Land.
Es heißt, Sie hätten zu spät über das Projekt informiert. Seit wann ist das Thema der Verwaltung bekannt?
Seit der Anfrage von Dr. Friedel Rohr (stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Förderung der ambulanten Palliativversorgung Rheinhessen/Pfalz, Anm. d. Red), das war mündlich im Dezember. Dann kam Ende Januar die Nachricht, dass sich die Verantwortlichen Eppelsheim gerne mal ansehen wollten. Ich habe gesagt, Grundstücke habe ich eigentlich nicht, aber man kann sich ja mal unterhalten. Die Leute waren etwa eine halbe Stunde da, danach habe ich erst mal nichts mehr gehört. Mitte Februar haben wir dann gehört, dass Eppelsheim als Standort sehr interessant sei. Daraufhin habe ich mich erst einmal beraten lassen bei den Bauämtern von VG und Kreis. Ich habe das Thema dann mit meinen Beigeordneten besprochen, die alle dafür waren. Wir hatten zu dem Zeitpunkt nicht mit den Gegenargumenten gerechnet. Es gab weitere Gespräche mit den Grundstückseigentümern und den Investoren. Am 9. April gab es einen gemeinsamen Termin mit Vertretern der Gemeinde, der VG, den Grundstücksbesitzern und den Investoren.
Und der Rat?
Der war zu dem Zeitpunkt noch nicht direkt beteiligt, das ist es vielleicht auch, was mir jetzt zum Vorwurf gemacht wird. Aber ich muss als gewählte Person schon auch einen gewissen Handlungsspielraum haben. Am 12. April habe ich ein Info-Schreiben an alle Ratsmitglieder verschickt und angekündigt, dass in der nächsten Sitzung ein Rahmenvertrag vorliegt. Am 24. April war die Ratssitzung. Aber es gab und gibt keinen Beschluss zu dem Projekt, weil man sich einig war, dass man die Bevölkerung dabei mitnehmen muss.
Wie steht denn der Rat dem Thema gegenüber?
Das kann ich Stand heute nicht sagen. Da müsste der Rat erst einmal in Ruhe über die Bürgerversammlung reden können. Es sind massive Gegner des Projektes auch unter den Ratsmitgliedern.
Eppelsheim hat aufgrund seiner starken Dorfgemeinschaft in der Vergangenheit oft positive Schlagzeilen geschrieben. Fürchten Sie, dass dieser Zusammenhalt nun bröckelt?
Das denke ich eigentlich nicht. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass so viele Leute zum Reden kamen. Die Bürgerversammlung war auch ein Ventil, auf beiden Seiten. Ich fand die Diskussion gut und wichtig. Die Dorfgemeinschaft kann daran wachsen.
Werden Sie das Projekt nun weiter vorantreiben?
Ich muss jetzt mit meinem Rat zusammenkommen und seine Haltung einholen. Die Tage nach der Bürgerversammlung dienen allen zum Nachdenken.

Zum Originallink gelangen Sie hier: http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/alzey/vg-alzey-land/eppelsheim/ueberrascht-vom-widerstand-ortsbuergermeisterin-ute-klenk-kaufmann-aus-eppelsheim-ueber-das-geplante-hospiz_18829728.htm

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