Nachtvorlesung vom 25.02.2009

Gefäßkrankheiten nicht unterschätzen

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Autor: Dr. med. Günter Gerhardt

Zu Veranstaltungsbeginn mussten die Organisatoren zunächst einmal Stühle schleppen, denn über 300 Besucher dürften sich im Infocenter der Volksbank gedrängt haben, weitere hundert fanden keinen Einlass mehr, weil der Raum überfüllt war. Denn „Probleme von Kopf bis Fuß kranke Venen und Arterien“, scheinen viele Zeitgenossen zu quälen.
Das Internistenduo Dr. Lothar Birkel und Dr. Peter Link ging zunächst auf die unterschiedlichen Funktionen und Aufgaben von Venen und Arterien ein. Die Zuhörer bekamen eine Erläuterung zur „Schaufensterkrankheit“, die durch stark eingeengte Arterien hervorgerufen wird. Das kann so weit führen, dass die Betroffenen nur noch wenige Schritte (von Schaufenster zu Schaufenster) schmerzfrei gehen können. Verantwortlich für die Erkrankung sind starke Ablagerungen in den Arterien (Arteriosklerose), die durch Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und genetische Erkrankungen hervorgerufen werden können. Abhilfe können unterschiedliche medizinische Eingriffe schaffen, Bypass-Operationen und Stents.
„Gefäßerkrankungen im Kopf unterscheiden sich nicht wesentlich von Gefäßerkrankungen im restlichen Körper“, sagte der Alzeyer Neurologe Dr. Ralf Loos, und auch die Ursachen seien die gleichen. Gleichwohl können die Folgen, Schlaganfall oder Einblutungen in das Gehirn, schwerste gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorrufen.
„Auf die Behandlung in den ersten beiden Stunden kommt es an, will der Patient die Folgen möglichst gering halten“, darauf wies Loos, ausdrücklich hin. „Sehstörungen, Schwindel, Lähmungen, Hirnleistungsstörungen können auf einen Schlaganfall hindeuten“, warnte er. „Und bei solchen Krankheitsbildern sollte man nicht erst auf ein Abklingen bis zum nächsten Tag hoffen, sondern sofort zu Arzt gehen“, warnte Loos vor irreparablen Schäden, die sich nach zwei Stunden ohne ärztliche Hilfe einstellen.
Der Mainzer Phlebologe, Dr. Kurt Braunbeck, verlässt sich bei Untersuchungen der Beine auf Venen- und Krampfadererkrankungen in erster Linie auf seine Hände und seine Augen. „Schwere Beine, dicke Beine, schmerzende Beine am Abend“ sind Anzeichen für solche Erkrankungen. Dabei könne es zu schwerwiegenden Komplikationen wie Thrombosen und zum „offenen Bein“, also Geschwüren, die zunehmend auch junge Patienten betreffen, kommen.
Die Symptome fänden sich jedoch auch sehr häufig ohne sichtbare Krampfadern. „Heute sind Dank moderner und schonender Maßnahmen sowohl die Beschwerden als auch die Ursachen unkompliziert und schnell therapierbar“, sagte der Mediziner.
In einer sich anschließenden Fragerunde konnten die Besucher der Nachtvorlesung untere der Moderation von Dr. Günther Gerhardt ihre eigenen gesundheitlichen Probleme schildern oder im persönlichen Gespräch mit den Ärzten Ratschläge holen.
Die nächste Nachtvorlesung ist für Mittwoch, 6. Mai, 19 Uhr terminiert. Das Thema lautet Brust-Schulter-Schmerz.

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