Jodblockade – Empfehlungen bei atomarem Unfall – Stand: 16.03.2011

Autor: Deutsche Stiftung Organtransplantation

Notwendig ist ein rechtzeitige Einnahme, möglichst 1-2 Tage vor dem Eintreffen einer radioaktiven Wolke, spätestens aber bis 12 Stunden danach
Eine gute positive Wirkung gibt es nur bei Einnahme vor der radioaktiven Belastung. Eine Einnahme 3 Std. danach wirkt nur noch zu 50 % und 10 Std. danach gar nicht mehr. Noch später kann die Einnahme sogar schaden.

Ebenso notwendig ist eine ausreichend hohe Dosierung
Die gewünschte Schutzwirkung kann sich nur bei genügend hoher Dosierung entfalten. Die Empfehlung der WHO lautet: Einmalgabe von 130 mg Kaliumjodid. Für Schwangere gilt die gleiche Dosisempfehlung, die Schilddrüse des ungeborenen Kindes wird mit geschützt. (Dosierungen für Kinder s.u. Bei „Tabletten“) Die allgemein bekannten Jodtabletten im 100 Mikrogrammbereich zur Vorbeugung gegen Kropfbildung genügen nicht. Um damit annähernd eine Blockade- Wirkung zu erreichen, müsste man 600 – 1300 Tabletten auf einmal schlucken.

Wirkprinzip und Biokinetik
Die Aufnahme von radioaktiv unbelastetem Jod vor der Kontamination bewirkt eine „kompetitive Hemmung“ während der Belastung mit radioaktivem Jod. Das heißt, der Körper hat dann im richtigen Moment genügend unbelastetes Jod aufgenommen und macht zunächst einen „Aufnahmestopp“.

Radioaktives Jod schadet
Bei Aufnahme von radioaktivem Jod drohen anhaltende Strahlenschäden, auch wenn das radioaktive Jod nach einigen Wochen zerfallen oder ausgeschieden worden ist. Nach Jahren bis Jahrzehnten können Schilddrüsenkrebs und andere Schilddrüsenerkrankungen ausgelöst werden.
Die Tabletten können rezeptfrei in der Apotheke gekauft werden
Wir empfehlen, den Apotheker zu bitten, über die Auslandsapotheke Kaliumjodid 65 mg zu bestellen, z.B. Kaliumjodid „Lannacher“ 65 mg- Tbl. ® (Österreich). Diese Darreichungsform erscheint uns sinnvoll, da für Kinder und Kleinkinder teilbar: ¼ Tbl. = 16,25 mg Kaliumjodid für Neugeborene (bis 1 Monat); ½ Tbl. = 32,5 mg für Säuglinge und Kleinkinder (1 – 36 Monate); 1 Tbl. = 65 mg für Kinder von 3 – 12 Jahre; 2 Tbl.= 130 mg ab 13 Jahre. Die geteilten Tabletten dürfen in Tee aufgelöst und dann sofort (!) getrunken werden.

Kontraindikationen
Jodallergie, Dermatitis herpetiformis, Jododerma tuberosum, Pemphigus vulgaris, Myotonia congenita, Hypokomplementäre Vaskulitis, Hyperthyreose. Relative Kontraidikationen bei Autoimmunkrankheiten, Nierenfunktionsstörungen, Herzinsuffizienz, Asthma bronchiale. Vor allem Vorsicht bei Schilddrüsenerkrankungen! Ein sinnvolles Screening dafür ist ein TSH-Bluttest. Das Ausweichpräparat ist in diesem Fall: Natriumperchlorat – Irenat ® Tr. Bitte lassen Sie sich dazu unter Vorlage diese Merkblattes vorab bei Ihrem Hausarzt beraten.

Zum Alter
Die bisherige offizielle Katastrophenschutzrahmenempfehlung, die Jodprophylaxe für Menschen bis zum Alter von 45 Jahren zu begrenzen, ist u. E. überholt, da nach der Katastrophe von Tschernobyl in den verseuchten Gebieten eine Zunahme von Schilddrüsenkrebs auch bis ins hohe Alter nachgewiesen wurde. Ebenso wäre auch in Deutschland eine flächendeckende ereignisunabhängige Vorverteilung an alle Haushalte (Modell Österreich) verbunden mit einem TSH – Screening sinnvoll.

Warnung vor Missverständnissen
Die Jodblockade der Schilddrüse kann einzig und allein nur vor Schilddrüsenkrebs und eventuell anderen Schilddrüsenerkrankungen schützen, nicht aber vor allen anderen Strahlenschäden. Es gibt keine allumfassende „Strahlenschutztablette“. Um sich wirklich wirksam vor atomaren Gefahren zu schützen, müssen weltweit alle Atomreaktoren abgeschaltet werden.

Autor: Reinhold Thiel
Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges,
Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW)
Körtestr 10, 10967 Berlin, Tel 030-698074-0
ippnw@ippnw.de sowie http://www.ippnw.de/

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