Tinnitus II

Ursachen und Behandlung

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30.10.2004

Stellen Sie sich einmal vor, Sie hörten ständig ein lästiges Klingeln und Sausen in Ihrem Ohr, obwohl ganz offensichtlich keine äußere Geräuschquelle vorhanden ist. So ergeht es deutschlandweit etwa drei Millionen Menschen. Mediziner sprechen in so einem Fall vom so genannten Tinnitus. Das kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und heißt übersetzt so viel wie „Klingeln“ oder „Geklingel“. Die Betroffenen stehen unter einem immensen Leidensdruck, nicht nur deshalb, weil sie bei der Ausführung ihrer täglichen Aufgaben sehr eingeschränkt sind, sondern auch, weil sie im sozialen Umfeld leider oft auf Unverständnis stoßen.

Wodurch wird ein Tinnitus verursacht?

Diese Frage konnte bis jetzt noch nicht eindeutig geklärt werden. Es spricht jedoch vieles für die Annahme, dass die Ohrgeräusche durch Durchblutungsstörungen und damit verbundenen Schädigungen im Innenohr zusammenhängen. Diese Schädigung des Innenohrs kann durch verschiedene Auslöser bedingt werden. Dazu gehört beispielsweise ein Hörsturz, Bluthochdruck, chronischer Lärm, Mittelohrentzündung und Virusinfektionen. Ein Tinnitus kann seine Ursache aber auch in Fehlstellungen des Kiefergelenkes, Halswirbelblockaden und – vor allem – Stress haben. Wie gesagt, es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die für das krankhafte Ohrgeräusch verantwortlich sein können. Diese gilt es individuell, von Patient zu Patient, zu bestimmen. Nur so kann eine effiziente und zielgerichtete Therapie beginnen.

Wann spricht man von einem akuten, wann von einem chronischen Tinnitus?

Je früher ein Tinnitus behandelt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Deshalb gilt: so bald Ohrgeräusche auftreten, sind sie ein medizinischer Notfall und Sie sollten dringend den HNO-Arzt aufsuchen. In den ersten zwei bis drei Wochen sprechen Mediziner von einem „akuten Tinnitus“. Dieser wird meist auf Durchblutungsstörungen und damit verbundenen Sauerstoffmangel zurück geführt. Deshalb verschreibt der behandelnde Arzt in einem akuten Fall für gewöhnlich durchblutungsfördernde Mittel, welche die Fließgeschwindigkeit des Blutes verbessern. Das Blut kann auf diese Weise auch besser durch bereits geschädigte Adern beziehungsweise Gefäße fließen. Von einem chronischen Tinnitus hingegen spricht man dann, wenn die Ohrgeräusche bereits über einen Zeitraum von etwa drei Monaten bestehen und trotz eingehender ärztlicher Untersuchung und Behandlung nicht verschwinden wollen.


Wie kann man einen Tinnitus behandeln?

Wie bereits erwähnt, die Heilungschancen bei einem Tinnitus sind nur hoch, wenn es sich um eine akute Form handelt. Sind die Ohrgeräusche bereits chronisch geworden, besteht für die Betroffenen oft ein immenser Leidensdruck, denn Sie müssen lernen, mit diesen Geräuschen zu leben. Je mehr sie gegen dieses Symptom ankämpfen, desto stärker wird es ihren Alltag beherrschen. Deshalb geht es zunächst einmal darum, die Geräusche zu akzeptieren. Das kann man lernen (so genannte Tinnitus Retraining Therapie). Zur Unterstützung gibt es auch entsprechende Hörkassetten, welche die störenden Geräusche in einem „Klangfeld“ einbetten. Tinnitus ist vor allem immer als ein Warnsignal zu verstehen, das den Betroffenen signalisieren soll, dass sie sich übernommen haben. Eine gesunde Lebensführung und eine positive Einstellung sind daher auch sehr wichtig. Das Erlernen von Entspannungsübungen kann sehr hilfreich sein, um mit Tinnitus umgehen zu lernen. Auch die Sauerstofftherapie und durchblutungsfördernde Mittel können helfen, die Beschwerden zu verbessern. Darüber hinaus hat sich auch die Akupunktur zur Behandlung von Ohrgeräuschen bewährt.


Was ist von der Elektromagnetfeldtherapie zur Therapie von Tinnitus zu halten?

Die Elektromagnetfeldtherapie wurde ursprünglich zur Behandlung von Wirbelsäulen- und Gelenkproblemen entwickelt. Aber auch bei so manchem Tinnituspatienten zeigt die Elektromagnetfeldtherapie gute Erfolge. Und zwar hauptsächlich bei den Patienten, wo die Ursache für die Ohrgeräusche auf Verspannungen und auch Arthrosen im Halswirbel- oder Kieferbereich zurückzuführen ist. Das Prinzip der Elektromagnetfeldtherapie besteht darin, zugrunde gegangenes (Knorpel-) Gewebe zu regenerieren. Im gesunden Gelenk geschieht diese Regeneration ständig durch die normale, alltägliche Belastung des Gelenks. Auf diese Weise entstehen an den Knorpelzellen elektrische Signale, die das Wachstum stimulieren. Ein abgenutztes Gelenk kann natürlich nicht mehr normal stark belastet werden – dadurch fehlen die elektrischen Potentiale und damit der Wachstumsreiz. Hier greift die Elektromagnetfeldtherapie an, indem sie das fehlende elektrische Feld wieder aufbaut. So wird die Funktion der Zellen wieder angeregt und im Idealfall kann sich Knorpel- und Bindegewebe regenerieren.


Gibt es auch Tinnitusgeräusche, die nicht nur allein der Betroffene hört?

Ja, die gibt es. Im Gegensatz zum „subjektiven Tinnitus“, eben jenem Ohrgeräusch, das nur der Betroffene selbst hört, gibt es auch den „objektiven Tinnitus“. Dieser kann sogar vom Arzt gemessen werden. Ein objektiver Tinnitus kann unter anderem durch Verspannungen im Mittelohrmuskel, ruckartige Öffnungsbewegungen der Ohrtrompete, oder durch Arterienverengung in der Nähe des Ohres hervorgerufen werden. Allerdings trifft dies lediglich nur für 1 % aller Tinnitusfälle zu.

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