Thrombose

Wenn die Adern verstopfen, droht Lebensgefahr

Print Friendly, PDF & Email

07.03.2007

Wenn Sie sich schneiden, beginnt innerhalb von 2-4 Minuten die Blutgerinnung, aus der dann, bei kleineren Verletzungen, nach insgesamt acht bis zehn Minuten ein fester Thrombus (kommt aus dem griechischen und bedeutet „gerinnen“) entsteht, der das Blutgefäß von innen abdichtet. Das ist eine wunderbare Einrichtung der Natur, denn ansonsten würde jede noch so kleine Verletzung der Blutgefäße dazu führen, dass Sie verbluten.

Wenn der Vorgang aber innerhalb des unverletzten Blutsystems passiert, kommt es zu dem Krankheitsbild einer Thrombose. Dies ist sowohl in den zum Herzen hinführenden Venen möglich, kann aber auch, in den vom Herzen wegführenden Gefäßen Arterien auftreten. Doch die zu 90 % betroffenen Stellen befinden sich in den großen Venen der Beine und des Beckens. Dann spricht man von einer tiefen Venenthrombose. Dies kommt jährlich bei 3 von 1000 Personen vor und ist somit eine sehr verbreitete Erkrankung. Gefährlich kann der Thrombus deshalb werden, weil er sich von der Gefäßwand lösen und im Blutsystem wandern kann, bis er irgendwann an einer engen Stelle hängen bleibt und ein Blutgefäß verschließen kann. So entsteht z. B. die lebensgefährliche Lungenembolie.

Schauen wir uns doch erst einmal an, wie ein Thrombus entsteht: Es lagern sich Blutplättchen an der Gefäßwand an, dadurch wird ein bestimmtes Enzym („Thrombokinase“) aktiviert, welches dann über zahlreiche Einzelreaktionen dazu führt, dass sich der Faserstoff Fibrin aus einem Blutgerinnungsfaktor bildet. Dann vernetzen sich die Faserstoffe miteinander und bilden eine Art Filz. Durch die Einlagerung von weiteren Blutzellen entsteht der endgültige Thrombus, er verfestigt sich.

1. Veränderung der Gefäßwand. Normalerweise ist die Innenfläche eines Blutgefäßes glatt. So wird verhindert, dass sich die Blutplättchen anhaften, verklumpen und das Gefäß verstopfen. Bei einer Gefäßverkalkung oder Entzündung wird die Gefäßinnenwand rau und uneben. Das ist für die Blutplättchen (Thrombozyten) ein Signal, sich hier anzulagern, weil sie „denken“, es gäbe etwas zu reparieren. Und daraus entsteht letztendlich ein Thrombus, wie wir gelesen haben.
2. Veränderung der Blutzusammensetzung: Akute Entzündungen an irgendeiner Stelle im Körper führen im Blut zu einem erhöhten Fibringehalt im, und der wiederum zu einer erhöhten Thromboseneigung. Deswegen ist ein entzündlicher Rheumaschub auch mit einer großen Thrombosegefahr verbunden. Diese Patienten müssen dann oft lebenslang einen Blutgerinnungshemmer einnehmen.
Die Zusammensetzung des Blutes ändert sich täglich auch bei gesunden Menschen. Denn wenn sie wenig trinken oder viel schwitzen, dickt das Blut ein. Das Thromboserisiko steigt, weil die Blutplättchen jetzt leichter aufeinander kleben können. Auch nach Operationen reagiert der Körper mit einer verstärkten Thromboseneigung. Er will nämlich die Blutverluste begrenzen, weshalb das fibrinförderliche Enzym „Thrombokinase“ (siehe oben) besonders aktiv ist. Auch deshalb müssen vor einer Operation die Gerinnungsfaktoren bestimmt werden. Damit erkennt der Arzt, ob ein erhöhtes Thromboserisiko besteht und kann in diesem Fall für die Zeit nach dem Eingriff einen Blutgerinnungshemmer („Blutplättchenverklebunsverhinderer“) verschreiben.
3. Veränderung der Blutströmung. Dies ist der häufigste Grund für eine Thrombose. Immer wenn das Blut zu langsam fließt, setzen sich die schwereren festen Teilchen unten ab, kleben aneinander, und schon beginnt wieder der Vorgang der Thrombosebildung. Ein Grund für eine verlangsamte Blutströmung ist Bettlägerigkeit. Gerade bei älteren Menschen, die durch eine Krankheit ans Bett gefesselt werden, verlangsamt sich oft der Blutkreislauf. Ihnen wird geraten, so früh wie möglich aufzustehen. Auch bekommen sie Antithrombosestrümpfe. Menschen mit stehenden Berufen passiert ähnliches. Nur wenn auch die Unterschenkelmuskulatur bewegt wird, kann das Blut richtig zurück zum Herzen transportiert werden. Geschieht dies nicht, beginnt es sich im Fuß- und Knöchelbereich zu stauen, – mit dem schon bekannten Effekt. So ist jemand der lange im Flugzeug oder Bus sitzt, anfällig für eine Reisethrombose.

Ist der Thrombus da, schwillt der betroffene Bereich an und wird heiß, es schmerzt bei Bewegung, und die Region ist rot-bläulich verfärbt. Um ganz sicher zu gehen, untersucht der Arzt den Bereich mit dem Ultraschall (Dopplersonografie). Danach wird er wahrscheinlich eine einwöchige Bettruhe mit Hochlagerung des betroffenen Beines verordnen. Er wird einen Kompressionsstrumpf anlegen lassen und gerinnungshemmende Medikamente verabreichen. Davon gibt es zwei Hauptwirkstoffe: Heparin wird unter die Haut ins Fettgewebe gespritzt und die Cumarine werden als Tablette eingenommen. Trotzdem kann der Arzt nicht ausschließen, dass der Thrombus zu wandern beginnt. Deshalb ist die Vorsorge ganz wichtig. Das heißt konkret: Trinken Sie ausreichend, damit Ihr Blut nicht eindickt. Bewegen Sie sich regelmäßig, damit der Blutkreislauf in Schwung kommt. Und wenn Sie einen stehenden Beruf haben, tragen Sie Kompressionsstrümpfe und versuchen Sie sich zu bewegen mit dem Zehenspitzenstand oder dem Treten auf der Stelle.


Was Sie auf Reisen beachten müssen

Im Flugzeug, aber auch im Pkw sitzen Passagiere sehr eingezwängt oft stundenlang still. Dadurch staut sich das Blut in den Venen der Unterschenkel. Das kann zur Reisethrombose bis hin zur lebensgefährlichen Lungenembolie führen. Beachten Sie daher folgendes:

Nehmen Sie einen Tag bis spätestens eine Stunde vor Reisebeginn 300 bis 500 Milligramm Acetylsalicylsäure ein. Der Wirkstoff verhindert das Verklumpen der Blutplättchen (s.o.) in den Gefäßen und hilft zur Vorbeugung arterieller Thrombosen und tiefen Venenthrombosen.
Während einer langen Reise sollten Sie vorbeugend viel trinken, und zwar nicht nur Wasser sondern mit Kohlenhydraten und Elektrolyten angereicherte Getränke. Dies verhindert eine Entwässerung des Körpers und sorgt dafür, dass sich kein dickes Blut bildet.
Leiden Sie unter Krampfadern, und haben Sie bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hinter sich, sollten Sie zusätzlich unbedingt Kompressionsstrümpfe anziehen. In diesem Fall gibt Ihnen Ihr Arzt zusätzlich zu den Kompressionsstrümpfen (und anstatt ASS) die „Thrombosespritze“ Heparin.


Adressen

Selbsthilfegruppe Thrombose, sie entstand unter Mitwirkung der ärztlichen Thrombophiliegesellschaft e.V., Frankfurt/Main: www.selbsthilfe-thrombose.de

Deutsche Venen-Liga e.V., Sonnenstraße 6, 56864 Bad Bertrich, Tel.: 02674/1448, Fax.: 02674/910115

Initiative Venengesundheit (Infos zu Vorbeugung und Therapiemöglichkeiten, kostenlose Patientenbroschüren), Bettinastr. 64, 60325 Frankfurt/M., Tel.: 069/97405716, Fax.: 069/75619913

Mosel-Eifel-Klinik, Kurfürstenstraße, 56864 Bad Bertrich, Tel.: 02674 / 940-0, Fax.: 02674/940311, E-Mail: info@mosel-eifel-klinik.de

Print Friendly, PDF & Email