Sexualität im Alter

Körperliche Veränderungen im Alter

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27.04.2007

Grundsätzlich ist es Frauen und Männern auch im hohen Alter möglich, einen normalen Geschlechtsverkehr und eine beglückende Sexualität zu erleben. Es kommt zwar im Laufe der Jahre zu körperlichen Veränderungen der Geschlechtsorgane, die genitalen Reaktionen sind verzögert, aber sie erlöschen keineswegs.

… bei Frauen

· Wenn Frauen mit dem Beginn der Wechseljahre keine Hormone einnehmen, verändert sich insbesondere durch den Östrogenmangel die Vaginalhaut. Sie bildet sich zurück, wird dünn und empfindlich. Die Konsequenz aus dieser Veränderung: Der Geschlechtsverkehr kann anfänglich schmerzhaft sein. Wenn der Mann zu ungestüm eindringt und das Feuchtwerden seiner Partnerin nicht abwartet, kann die Vaginalhaut sogar einreißen. In diesem Fall kann der Gynäkologe oder die Hausärztin eine östrogenhaltige Salbe (oder Zäpfchen) verschreiben, mit der man die Scheide eincremt. Durch das Östrogen, das kaum ins Blut gelangt, wird das Vaginalgewebe wieder voller und elastischer. Eine einwöchige Behandlungsdauer pro Quartal ist in der Regel ausreichend.

· Parallel zur Rückbildung der Scheidenhaut beginnt das Vaginalrohr zu schrumpfen. Es wird kürzer, dünner und verliert an Elastizität. Wenn sich diese Veränderung lustfeindlich auswirkt, sollten Sie ihren Gynäkologen/Ihre Gynäkologin vielleicht doch auf eine Hormonbehandlung ansprechen.

· Durch den Östrogenmangel produziert die Scheide weniger Gleitflüssigkeit als in jungen Jahren. Zudem verzögert sich mit zunehmendem Alter das Feuchtwerden der Scheide bei sexueller Erregung. Anstatt eines spontanen Feuchtwerdens, wie es in jungen Jahren schnell durch einen sexuellen Reiz ausgelöst werden kann, können bei älteren Frauen zwei bis drei Minuten vergehen. Falls die Scheide auch nach einiger Zeit der Stimulation nicht richtig feucht und schlüpfrig werden sollte, können Sie sich einfach mit einer vaginalen Gleitcreme helfen. Diese erhalten Sie in der Apotheke. Fragen Sie dort einfach nach einem Produkt für eine trockene Scheide, oder verlangen Sie direkt eine Gleitcreme. Die Creme müssen Sie sich natürlich nicht versteckt und verschämt vor dem Verkehr selbst einführen, sondern Sie können die Handlung in Ihr Vorspiel einbauen. Zeigen Sie doch Ihrem Partner, auf welche Weise er die Lustcreme am wirkungsvollsten auftragen kann. Wahrscheinlich wird es ihm ebenso wie Ihnen Spaß bereiten.

· Insbesondere nach einem länger anhaltenden Geschlechtsverkehr kann es in den ersten Stunden danach zu einem Nachtröpfeln beim Harnlassen kommen. Ursache: Die stoßenden Bewegungen des Penis reizen die Harnröhre und Harnblase mechanisch. Die rückgebildete Scheide kann den mechanischen Reiz nicht mehr so gut abfedern. Diese Reaktion ist jedoch vollkommen normal und braucht keiner Frau peinlich zu sein. Durch die oben erwähnte Vaginalcreme sowie durch sanftere Stellungen, bei denen die Frau vielleicht oben sitzt und die Heftigkeit des Stoßes selbst bestimmt, kann das ungewollte „Feuchtwerden danach“ verhindert werden.

· Die meisten sexuellen Probleme von Frauen entstehen als Folge der schwindenden Bereitschaft des Mannes. Ältere Frauen neigen dann eher dazu, ihre sexuellen Bedürfnisse zu verleugnen, als selbst lustvoll Hand an sich zu legen. Warum eigentlich? Wenn Sie Lust auf Sex haben, dann stehen Sie dazu. Jeder Mensch hat diese Bedürfnisse! Und falls der Partner nicht mitmacht oder wenn Sie alleine sind, dann machen Sie es sich doch selbst schön.

· An der sexuellen Erregbarkeit und der Orgasmusreaktion treten im Alter keine wesentlichen Veränderungen auf. Eine gesunde Siebzigjährige kann ebenso munter und intensiv die Sexualität erleben wie eine Zwanzigjährige. Oft wird sogar berichtet, dass für Frauen ab dem 65. Lebensjahr die Sexualität besser wird: Die Kinder sind aus dem Haus, Mann und Frau sind pensioniert und haben endlich Zeit und Ruhe für einander.

… bei Männern

· Die Art, wie die Erregung verläuft, ändert sich mit zunehmendem Lebensalter: Die Erregung wird langsam immer intensiver (wie das ja auch bei Frauen der Fall ist) und bleibt für längere Zeit auf einem gleichbleibend hohem Plateau bestehen. Von diesem Plateau aus kommt es dann nochmals zu einem kleinen Kick, wenn der Orgasmus eintritt. Die Erregung selbst wird also satter, voller, intensiver. Der Preis für den Lustgewinn ist allerdings, dass das „Beschleunigungsvermögen sinkt“, wie es im Autojargon hieße. Beim älteren Sportwagen würde man sagen, er ist „weniger spritzig“ als früher. Auch ein Mann braucht mit den Jahren im Allgemeinen eine längere und direktere Stimulation, um zu einer ausgeprägten Erektion zu kommen. Die Zeit bis zum Orgasmus verlängert sich dadurch automatisch. Dies ist meist mit einem Lustgewinn für die Partnerin verbunden. Wollte man noch einmal den Vergleich mit dem Autofahren heranziehen, dann steigt der Mann mit dem Älterwerden vom spritzigen Porsche auf einen gemächlicheren aber ebenso leistungsstarken Rolls Royce um. Probleme entstehen vor allem dann, wenn man den Rolls Royce genauso schnell wie den Porsche beschleunigen wollte.

· Nach einem Orgasmus braucht ein Mann im Alter eine längere Erholungszeit als in früheren Jahren. „He is two feet long, hard as steel, and can go all night“ – diesen Maßstab spielen vielleicht Pornodarsteller vor, er entspricht aber nicht der Realität.

· Erektions- und Ejakulationsschwierigkeiten können mit steigendem Alter tatsächlich zunehmen. Im Allgemeinen wird angenommen, dass dies die Folge des kontinuierlich sinkenden Testosteronspiegels ist. Eine Untersuchung bei über 80-jährigen Männern zeigt folgende sexuelle Probleme: 28 % Unfähigkeit, eine Erektion zu bekommen, 33 % Unfähigkeit, die Erektion zu bewahren, 28 % Ejakulationsstörung (vor allem verzögerter Orgasmus mit damit verzögerte Ejakulation) und 37 % Versagensängste. Neuere Untersuchungen belegen allerdings auch, dass Impotenz oder Asexualität keine direkte Folge des Alterns, sondern vor allem Ausdruck der eigenen Haltung gegenüber der Sexualität sind. Wer in jungen Jahren gerne und häufig aktiv im Bett war, hat auch im Alter weniger Probleme damit. Und wem der Sex einfach Spaß macht, der wird eine kleine Schwäche auch spielerisch in eine Stärke umwandeln. Wer sagt denn, dass Lust nur mit dem ständig erigierten Penis zu erreichen ist? Sexualität ist das, was wir daraus machen. Sie bleibt ein Leben lang erhalten, solange wir sie nicht negieren.

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