Selbstmessgeräte für Blutdruck

Regeln für den korrekten Umgang mit Blutdruckselbstmessgeräten

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01.06.2001

Für die Selbstmessung des Blutdrucks stehen heute eine ganze Reihe von geeigneten Geräten zur Verfügung:

-Blutdruck-Selbstmessgeräte mit Stethoskop und Federmanometer
-Elektronische Blutdruck-Selbstmessgeräte mit Mikrofon
-Elektronische Blutdruck-Selbstmessgeräte nach dem oszillometrischen Prinzip für die Messung am Oberarm
-Elektronische Blutdruck-Selbstmessgeräte nach dem oszillometrischen Prinzip für die Messung am Handgelenk ohne oder mit Speicherfunktion
-Elektronische Blutdruck-Selbstmessgeräte mit Infrarotmessung des Volumenpulses am Finger

Viele dieser Geräte werden als Halb- oder Vollautomaten mit Digitalanzeige vertrieben. Bei Halbautomaten erfolgt das Aufpumpen der Manschette mit der Hand, der Druckablass geschieht automatisch. Bei Vollautomaten sind alle Vorgänge der Blutdruckmessung automatisiert. Auch Geräte, die die gemessenen Werte speichern und ausdrucken, sind für die Selbstmessung erhältlich.

Wichtig: Auch für Halb- oder Vollautomaten müssen die standardisierten Bedingungen des Blutdruckmessung und die richtige Manschettengröße eingehalten werden.

Vor- und Nachteile der verschiedenen Blutdruckmessgeräte:
Die Geräte mit Stethoskop sind nicht geeignet für Menschen mit schlechtem Hörvermögen, schlechte Merkfähigkeit oder mit Behinderungen der Gelenke an Händen oder Armen. Für diese Patienten empfiehlt sich die Blutdruckmessung mit Halb- oder Vollautomaten mit digitaler Anzeige und Speicherung (Memory-Funktion) der Messwerte. Der Bedienungskomfort der einzelnen Geräte ist sehr unterschiedlich. Einige Geräte sind für Linkshänder oder für Patienten mit Sehschwäche weniger geeignet.

Bei Herzrhythmusstörungen sind elektronische Geräte mit oszillometrischer Messung für die Blutdruckmessung nur bedingt geeignet. Hier ist die Blutdruckmessung mit dem Stethoskop, ggf. mit einem automatisch messenden Gerät mit Mikrofon, vorzuziehen.

Wichtig: Möchte man für die Selbstmessung des Blutdrucks ein Handgelenksgerät benutzen, muss vom Apotheker beim Verkauf geprüft werden, ob die Werte am Oberarm und Handgelenk übereinstimmen. Liegen die Blutdruckwerte am Handgelenk um 10 mm Hg höher oder niedriger als am Oberarm, kann eine Blutdruckmessung am Handgelenk nicht empfohlen werden.

Die Blutdruckmessung am Finger kann derzeit nicht generell empfohlen werden. Fehlmessungen treten besonders bei kalten schlanken Fingern auf. Vergleichsmessungen am Oberarm sind notwendig.

Messung bei alten Menschen
Durch starre und/oder stenosierte (= verengte) Arterien können bei der indirekten Blutdruckmessung im Alter grobe Fehler auftreten. Verkalkungen der Gefäßinnenwand können bei der Druckübertragung von der Manschette auf das Arterienlumen behindern. Wird hierdurch bei eigentlich normalem Druck indirekt ein erhöhter Blutdruck gemessen, so besteht eine Pseudohypertonie. Hieran ist zu denken, wenn bei immer wieder erhöht gemessenem indirektem Druck Organkomplikationen fehlen oder medikamentöse Blutdrucksenkungen schlecht vertragen werden. Auch die Tastbarkeit der Radialarterie als derber Strang ist kein zuverlässiger Hinweis auf eine Pseudohypertonie. Blutdruckreduzierende Stenosen können falsch niedrige Blutdruckwerte ergeben, d. h., eine Pseudonormotonie. Hinweise können Seitendifferenzen des Blutdrucks an beiden Armen sein, ebenso pulssynchrone Spontangeräusche über Arterien des Armes.

Im Alter sind Blutdruckmessungen im Stehen besonders wichtig wegen der Häufigkeit orthostatischer Hypotonien, Ohnmachten und Stürze. Allerdings können die bei der indirekten Messung zwangsläufigen Abstände zwischen den erfassten Blutdruckwerten zu groß sein, um einen kurzfristigen, die Hirndurchblutung bereits beeinträchtigenden Blutdruckabfall zu erfassen.

Geräteauswahl
Bei der Blutdruckselbstmessung im Alter sollte ein Gerät gewählt werden, das die Manschette automatisch aufpumpt, um Blutdrucksteigerungen durch Pumparbeit zu vermeiden. Auch der automatische Druckablass ist für alte Patienten eine wichtige Erleichterung. Das Display der gemessenen Druckwerte sollte große Ziffern haben, die ausreichend lange stehen bleiben. Blutdruckselbstmessungen am Handgelenk sind auch im Alter möglich, wenn Vergleichsmessungen am Oberarm systolisch und diastolisch keine größeren Differenzen als 10 mm Hg ergeben. Hilfreich kann die Blutdruckmessung am Handgelenk unter anderem bei Patienten sein, die wegen eines sehr hohen systolischen Blutdruckes über Schmerzen beim Aufpumpen der Oberarmmanschette klagen.

Seitendifferenzen des Blutdrucks
Bei jeder Erstuntersuchung eines Patienten sollte der Blutdruck an beiden Armen gemessen werden. überschreitet bei Messungen nacheinander die Differenz 20 mm Hg systolisch oder 15 mm Hg diastolisch, so sind simultane Messungen an beiden Armen durch zwei Untersucher möglich. Bestätigen sich bei simultaner Messung an beiden Armen die Druckdifferenzen, so ist eine weitere Diagnostik zum Ausschluss druckreduzierender Stenosen notwendig. Bei Patienten mit Seitendifferenzen über 10 mm Hg ist zu berücksichtigen, dass die kardiale Belastung den höheren Werten entspricht und deshalb weitere Messungen – unabhängig von der Ursache – am Arm mit den höheren Werten erfolgen müssen.

Häufige Fehler bei der Blutdruckmessung
Fehler: Manschette zu schmal
Messung: Zu hohe Blutdruckwerte

Fehler: Manschette zu breit
Messung: Zu niedrige Blutdruckwerte

Fehler: Manschette zu locker
Messung: Zu hohe Blutdruckwerte

Fehler: Manschette über der Kleidung
Messung: Unzuverlässige Werte

Fehler: Mikrofon falsch platziert
Messung: Systolischer Wert zu niedrig,diastolischer Wert zu hoch

Fehler: Zu wenig Ruhe vor dem Messen, Sprechen beim Messen
Messung: Zu hohe Blutdruckwerte

Fehler: Ellenbeuge unter Herzhöhe
Messung: Zu niedrige Blutdruckwerte

Fehler: Handgelenk bei Blutdruckmessung unter Herzhöhe
Messung: Viel zu hohe Blutdruckwerte

Fehler: Oberarm oberhalb der Manschette durch enge Kleidung eingeschnürt
Messung: Falsche Blutdruckwerte

Fehler: Ablassgeschwindigkeit zu schnell: >3 mm Hg/sec bei Gebrauch manueller Messgeräte
Messung: Zu niedriger systolischer, zu hoher diastolischer Wert

Bei Handgelenkgeräten:
Fehler: Handgelenkumfang <13,5 cm   
Messung: Werte zu niedrig

Fehler: Handgelenkumfang >19,5 cm
Messung: Werte zu hoch

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