Schlafstörung

Chronisch gestörter Schlaf macht alt

Print Friendly, PDF & Email

11.07.2001

Bislang war schlafen in der Schule streng verboten, jetzt wurde anlässlich des „Tag des Schlafes“ am 21. Juni 2001 sogar eine Schlafschule vorgestellt. Die „Lehrer“ sind namhafte Schlafmediziner wie z. B. Professor Dr. Jürgen Zulley und Professor Dr. Göran Hajak von der Universität Regensburg. Die Schlafschule ist für jeden offen. Sie möchte einen besseren Umgang mit dem Schlaf vermitteln und hat sich als Ziel gesetzt Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit zu steigern. Zur Schlafschule gehört aber auch eine „Wachschule“: Damit ein tagsüber empfundener Zeit- und Leistungsdruck sich nicht auf die Einschlaf- und Durchschlaffähigkeit auswirkt, werden Stress und Problembewältigungsmöglichkeiten aufgezeigt. Ein erholsamer Schlaf ist immer auch mit einem Stressmanagement während des Tages sowie mit Techniken des Abschaltens verbunden.

Warum ist gesunder Schlaf so wichtig?: Um jung zu bleiben, d. h. aber auch im Umkehrschluss gestörter Schlaf macht alt! Damit aus dem Schlaf ein wirklicher Schönheitsschlaf wird, müssen eine Vielzahl wichtiger Hormone gebildet werden. Da wäre zunächst einmal das charakteristische „Schlafhormon Melatonin“. Es sorgt dafür, dass die Temperatur des Körpers nach unten auf ca. 36 Grad Celsius reguliert wird, wodurch der Energiebedarf sinkt und die Körperzellen sich in Ruhe erneuern, regenerieren können. Unser Abwehrsystem wird gleichzeitig aufgeladen, Gewebe wird repariert und erneuert, Fett wird verbrannt. Unser Gehirn nützt den Schlaf, um sich neu zu organisieren, und unsere Wahrnehmungssysteme können sich wieder ordnen. Im Tiefschlaf wird die Produktion des Stresshormons Cortisol blockiert. So kann sich Erlebtes und Gelerntes besser festsetzen. Dies bedeutet, dass ein Lerneffekt dann am größten ist, wenn nach intensivem Lernen ausreichend geschlafen wird. Die positiven Auswirkungen auf unser Immun-Abwehrsystem geben dem alten Volksmundspruch Recht „Sie/Er schläft sich gesund“. Keine Frage, mal gelegentlich eine Nacht zu durchwachen, das stecken die meisten Menschen problemlos weg. Gesundheitsschädlich ist ein dauerhaft gestörter Schlaf. So weiß man schon aus medizinischen Untersuchungen, dass eine Woche Schlafdefizit die Konzentration von Blutzucker und Kortison im Blut steigert. So ist es zu verstehen, dass ein chronisch gestörter Schlaf zu übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck führen kann. Was aber bedeutet jetzt erholsamer Schlaf? Damit ist nicht unbedingt die Dauer des Schlafes, sondern die Schlaftiefe gemeint und das von Mensch zu Mensch verschiedene Schlafbedürfnis. Der Schlaf ist dann am tiefsten, wenn er sich nach unserer „inneren Uhr“ richtet. Dafür verantwortlich ist u. a. das Melatonin, es bestimmt den Tagesrhtyhtmus (zirkadianen Rhythmus). Danach findet sich ein biologisches absolutes Tief gegen drei Uhr nachts. Ein weiteres ähnliches Tief gibt es am frühen Nachmittag gegen vierzehn Uhr und kleinere Zwischentiefs gibt es nach neun Uhr und siebzehn Uhr. Wer meint seinen Schlaf verbessern zu können durch längeres Liegenbleiben wird eine herbe Enttäuschung erleben, weil es so sogar zu Schlafstörungen kommen kann. Sich schlaflos im Bett zu wälzen provoziert beunruhigende Gedanken und spornt auch die körperliche Unruhe an. Es kann sogar sein, dass zur Schlaftherapie die Verkürzung der Schlafzeit bzw. „Liegezeit“ gehört, das „Herumdösen“ wird so unterbunden. Schlafstörungen verändern auch das Verhalten: So entspricht ein 24-stündiger Schlafentzug der Wirkung von 1 ‰ Alkohol. Das bedeutet, hat man 24 Stunden nicht geschlafen, ist man fahrtüchtig wie ein Betrunkener. Die Betroffenen bekommen außerdem Gedächtnisstörungen, Seh- und Hörprobleme. Auch psychische Veränderungen können auftreten wie z. B. eine Depression. Die Behandlung der Schlafstörung folgt idealerweise einem Behandlungsansatz, der sich aus vielen Facetten zusammen setzt. Dies beruht darauf, dass die meisten Schlafstörungen mehrere Ursachen haben, mittlerweile vielleicht sogar chronisch geworden sind, und die meisten Patienten mit zahlreichen Schlafmedikamenten vorbehandelt wurden. Das Behandlungskonzept umfasst ursachenbezogene Ansätze und spezifisch schlafstörungsbezogene Maßnahmen wie Behandlungen ohne Medikamente (z. B. Entspannungsverfahren) und die Behandlung mit Schlafmitteln. Wichtig für den Patienten mit Schlafstörungen ist es, sich seiner ärztin/seinem Arzt zu offenbaren. Beide müssen dann bereit sein, einen längeren Behandlungsweg durchzuhalten.

Print Friendly, PDF & Email