Schlaf

Ein gesunder Schlaf macht stark

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22.02.2006

Schlaf – das ist ein alltägliches, oder besser gesagt, ein allnächtliches Phänomen. Und dennoch wirkt es wie magisch, wenn wir vom Wachzustand langsam in den Schlafzustand wechseln, um dann, wie von alleine, nach durchschnittlich sieben Stunden wieder aufwachen. Was passiert in dieser Zeit? Gehen wir dabei wirklich auf eine schwerelose Reise in eine andere Welt? Wieso fühlen wir uns nach dem Schlaf so erholt? Fragen dieser Art haben die Menschen seit jeher beschäftigt. Aber erst seit es eine Apparatur gibt, mit der die Hirnströme gemessen werden können, konnte die wissenschaftliche Untersuchung des Schlafes beginnen. Ein solches EEG (Elektroenzephalograph, erfunden von dem deutschen Psychiater Hans Berger im Jahr 1929) zeigt, dass es im Schlaf häufige und starke Hirnströme und damit Hirnaktivität gibt. Somit ist der Schlaf nicht der „kleine Bruder vom Tod“, wie man das lange Zeit glaubte.

Wenn wir schlafen, fällt das Gehirn in einen Zustand verminderter Aufmerksamkeit. Das Zentrum für Verarbeitung akustischer Reize bleibt wach, der Informationsfluss von Augen und Nase zum Gehirn ist aber nahezu abgeschaltet. So kommt es, dass wir bei leisen unvertrauten Geräuschen wach werden, nicht aber, wenn das Licht eingeschaltet wird. Gefährlich wird es bei einem Brand, den Rauch registriert der Schläfer nicht. Nicht nur das Gehirn, sondern der ganze Körper stellt sich um. Puls und Atmung werden langsamer. Der Kreislauf läuft sozusagen auf Sparflamme. Die Muskeln erschlaffen während bestimmter Schlafphasen. Der Blutdruck nimmt deutlich ab. Die Körpertemperatur sinkt. Die Zirbeldrüse schüttet vermehrt das Schlafhormon Melatonin aus, welches den Tag-Nacht-Rhythmus steuert. Der Pegel des Stresshormons Kortisol sinkt. Die Leber produziert nachts andere Stoffe als tagsüber. Im Schlaf laufen Reparaturmechanismen ab, vor allem das Immunsystem arbeitet gut. Es wird Wachstumshormon gebildet, ohne dies fühlen wir uns sehr rasch müde und schlapp. Was während des Schlafes alles im Körper passiert, ist aber zu weiten Teilen immer noch unerforscht.

Recht gut bekannt ist jedoch, wie sich das Gehirn im Schlaf verhält. So ist es nicht einfach bewusstlos, sondern durchläuft nach einem genetisch fest gefügten Plan verschiedene Phasen. Diese kann man einteilen in REM-Phasen und Nicht-REM-Phasen. REM ist eine international übliche Abkürzung für „rapid eye movement“, also schnelle Augenbewegung. In dieser Zeit bewegen wir nämlich die Augen schnell und ruckartig unter den geschlossenen Lidern. Weil wir in den REM-Phasen vermehrt träumen, wird diese Zeit auch als Traumphase bezeichnet. In den Nicht-REM-Phasen hingegen sind die Gehirnströme stark verlangsamt, deshalb wird diese Zeit auch Tiefschlafphase genannt. Das ist aber nicht ganz richtig, denn ein echter Tiefschlaf stellt sich nur nach dem Einschlafen ein. Zum morgen hin wird der Schlaf auch in den so genannten Tiefschlafphasen leichter. Trotzdem werden die Ausdrücke Nicht-REM-Phase und Tiefschlafphase beide benutzt.

Eine Tiefschlafphase und die nachfolgende Traumphase-Phase bilden eine Einheit, die zusammen etwa 90 Minuten dauert. Im Laufe der Nacht durchleben wir vier bis fünf dieser Einheiten, es verändern sich aber die Anteile von Traumzeit und Tiefschlaf: Die Dauer des Tiefschlafs nimmt ab und die Dauer der Traumzeit zu.

Direkt nach dem Einschlafen fallen wir innerhalb von einer halben Stunde in eine tiefe Tiefschlafphase. Diese dauert 70 bis 90 Minuten. Dann wird der Schlaf wieder leichter und wir gleiten in eine fünf- bis zehnminütige Traumphase. Bis zum Morgen hat sich die REM-Zeit dann auf 40 bis 50 Minuten verlängert und ist jetzt ebenso lange wie die Nicht-REM-Phase.

Warum ist das so? Im Tiefschlaf und in der Traumzeit werden unterschiedliche Funktionen ausgeführt. Grob gesagt dient der Tiefschlaf der Regeneration des Körpers, und die REM-Phase der Einspeicherung von neu Gelerntem in das Langzeitgedächtnis und dem Ordnen von Emotionen. Unter Schlafforschern wird daher augenzwinkernd gesagt: „Ich muss das Problem erst ausremmen“, umgangssprachlich ist aber nichts anderes gemeint, als „eine Nacht drüber schlafen“. Das geschieht aber unbewusst. Das, was wir aus dieser REM-Phase ins Bewusstsein retten, sind die Träume. Lange Zeit hatte man deshalb geglaubt, Träume seien Botschaften des Unbewussten an sich selbst (sagte Sigmund Freud). Heute gehen Theorien von Hirnforschern verstärkt dahin, dass die Träume nur Tagesreste sind, die wild zusammenkombiniert werden. Man sollte ihnen also nicht zuviel Bedeutung beimessen.

Trotzdem ist der REM-Schlaf, also die Traumphase, wichtig. Wird diese Zeit gestört, fallen tagsüber komplizierte und kreative Aufgaben schwerer. Die meisten Schlafmittel unterdrücken den REM-Schlaf. Deshalb ist die Nachtruhe mit einem Schlafmittel auf Dauer nicht so erholsam wie ohne.


Schlafstörungen


Einschlafstörungen: Fällt oft Menschen schwer, die sich nicht entspannen können. Tipps: schöne Abendroutinen einführen, auf Phantasiereisen gehen, den Tag bewusst ausschalten, quälende Gedanken auf einem Block notieren … darüber können Sie morgen weitergrübeln.

Durchschlafstörungen: Man schläft normal ein, wacht aber nach einigen Stunden wieder auf. Betrifft oft ältere Menschen. Kann ein Zeichen für zuviel Alkohol oder Depression sein.

Schlafsucht: beträchtliche Zunahme der Schlafdauer, kann auf andere Krankheiten hinweisen, wie Gehirn- oder Hirnhautentzündung, Hirntumor, Herz- oder Lungenschaden, Leberversagen, Schlafapnoe, Angst, Depression, Narkolepsie.

Restless Legs: unruhige Beine kurz vor dem Einschlafen, eine Nervenerkrankung. Kann auch Anzeichen einer Venenschwäche sein, dann tagsüber Kompressionsstrümpfe tragen.

Narkolepsie: Wiederholte, nicht unterdrückbare Schlafanfälle während der Wachzeit. Häufig kurze Nickerchen im Laufe des Tages können helfen.

Schlafwandeln: Findet in den Nicht-REM-Phasen kurz nach dem Einschlafen statt, die Betroffenen träumen nicht. Nicht aufwecken, vorsichtig zurückführen.

Nächtliches Aufschrecken: deutet auf psychische Probleme oder Alkoholerkrankung hin.


Gefährliche Atemaussetzer


Es klingt gefährlich: Die Atmung setzt sekundenlang aus, danach schnappt der Betroffene richtig nach Luft. Das kann mehrmals in der Stunde passieren: ein so genanntes Schlafapnoe-Syndrom. Dabei sind die oberen Atemwege krankhaft verengt, beispielsweise durch Fetteinlagerungen bei Übergewichtigen oder durch vergrößerte Zäpfchen. Während des Tages bekommt man durch die aktive Gaumenmuskulatur trotzdem Luft. Nur nachts, bei schlaffer Muskulatur, entsteht das Problem. Ein Erstickungstod droht nicht, da die Betroffenen rechtzeitig aufwachen. Dann wird das Wachzentrum eingeschaltet. Dabei wird der lebenswichtige Tiefschlaf (Nicht-REM-Schlaf) immer wieder unterbrochen. Die Betroffenen merken die Unterbrechungen nicht, trotzdem kommt es zu gesundheitlichen Folgen: Die Betroffenen sind unausgeschlafen und schlapp, es kommt zu sexuellen Problemen, Konzentration und Gedächtnis leiden. Von 20 Millionen Schnarchern, die wir in Deutschland haben, sind 2 Millionen Schlaf-Apnoe-gefährdet.

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