Osteoporose

Wenn die Knochen brüchig werden

Print Friendly, PDF & Email

08.03.2007

Märchenerzähler berichtete vom Hexenbuckel, in früheren Jahren sprach der Volksmund vom Witwenbuckel. Gemeint sind die verformten Rücken älterer Frauen, die unter einer fortgeschrittenen Form des Knochenschwundes (med.: Osteoporose) leiden. Bei dieser Krankheit kommt es zu einem übermäßigen Abbau der Knochensubstanz und -struktur. Das Leiden ist weiter verbreitet, als die meisten glauben: Rund 50 % der Frauen und 20 % der Männer erleiden im Verlauf ihres Lebens einen durch Osteoporose verursachten Knochenbruch.
Zu den verhängnisvollsten Folgen der Krankheit gehören Knochenbrüche im Bereich der Hüfte, hier vor allem der berühmt-berüchtigte Oberschenkelhalsbruch, gefolgt von Brüchen der Wirbel und des Handgelenks. Festgestellt wird die Osteoporose anhand des Knochenmineralgehalts, der so genannten DXA-Knochendichtemessung, die entweder an der Lendenwirbelsäule oder am Oberschenkelhals bestimmt wird. Neben der Knochendichte kommen weitere Risikofaktoren ins Spiel: das Geschlecht (Frauen sind häufiger betroffen), das Lebensalter, schon bestehende Knochenbrüche, die ohne große Krafteinwirkung aufgetreten sind, die Neigung zu Stürzen, Nikotin, Bewegungsmangel und Untergewicht. Auch bestimmte Medikamente (z. B. Kortison), Stoffwechselkrankheiten sowie die Vererbung erhöhen das Risiko. Nicht alle dieser Faktoren sind schicksalhaft, man kann selbst noch genug tun: Leichtes Krafttraining, Trampolinspringen, Gymnastik, Nordic Walking und Tai Chi stärken nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen.

Eine Hauptursache für die Entstehung der Osteoporose ist ein Kalziummangel. Mit der üblichen Ernährung nehmen wir am Tag 600-900 mg zu uns – was nicht reicht. Deshalb müssen manche Menschen das Mineral zusätzlich einnehmen.
Wer bereits unter Knochenschwund leidet, sollte Medikamente nehmen. So genannte Biphosphonate sorgen dafür, dass die Aktivität der Knochen abbauenden Zellen verlangsamt wird. Das allein ist aber noch nicht genug, gleichzeitig muss der Knochenaufbau durch die entsprechenden Zellen gefördert werden. Dazu braucht der Körper Kalzium und Vitamin D, denn ohne seine Hilfe kann das Kalzium nicht richtig vom Darm aufgenommen werden. Unser Körper kann mit Hilfe von Sonnenstrahlen in der Haut Vitamin D bilden. Doch das funktioniert leider nur eingeschränkt: Die Sonne bzw. die UVB-Strahlen schaffen das nur im Sommer. Deshalb müssen sich Osteoporose-Patienten das Vitamin regelmäßig zuführen.
Ich empfehle Medikamente, bei der das wöchentlich einzunehmende Biphosphonat gleich die nötige Portion Vitamin D enthält. Dann muss man nur an die Extraportion Kalzium denken.
Betroffene sollten unbedingt die Regeln des Beipackzettels beachten:
Biphosphonate sollten morgens auf nüchternen Magen mit Wasser eingenommen werden (nicht mit Milch!) – und zwar im Sitzen oder Stehen. Ganz schön kompliziert! Das könnte bald anders werden: Anfang 2007 will eine Pharmafirma in den USA die Zulassung für ein Präparat beantragen, das nur noch einmal im Jahr als Infusion verabreicht wird.
Bei sehr schwerer Osteoporose kann man z. B. Parathormon-Fragment einnehmen, das eine Neubildung von Knochen bewirkt. Das Medikament muss über einen Zeitraum von 18 Monaten 1 x täglich gespritzt werden.
Auch an eine Hormonersatztherapie muss der Arzt bei der Osteoporosebehandlung denken, allerdings ohne dabei die Risiken aus dem Blick zu verlieren. Ähnlich wie die Hormone wirkt die Substanz Raloxifen. Sie beeinflusst den Knochenstoffwechsel positiv, verursacht aber – im Gegensatz zu den „echten“ Hormonen – keine Schäden am Herz-Kreislauf-System, der Brust und der Gebärmutter. Sind schon Wirbelkörper gebrochen, kann der Arzt sie wieder aufrichten, indem er speziellen Knochenzement einspritzt (Kyphoplastie).
Leider gibt es Patienten, bei denen die Osteoporose schon so weit fortgeschritten ist, dass man sie allenfalls noch aufhalten kann. Um den Alltag noch besser bewältigen zu können, müssen sie Orthesen tragen. Diese unterstützen und entlasten Knochen und Gelenke. Außerdem gibt es spezielle Hüftpolster, die gefährdete Patienten an den Hüftgelenken tragen, damit sie sich bei einem Sturz kein Gelenk brechen.


Wie die Mutter, so die Tochter?

Schlechte Nachrichten für alle mit Verwandten ersten Grades, die an Osteoporose leiden; Ihr Risiko, im Alter auch Knochenschwund zu bekommen, ist deutlich höher als bei anderen Menschen. Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass es erblich bedingt günstige oder ungünstige Rezeptoren (das sind Andockstellen für bestimmte Substanzen) für das Vitamin D gibt. Diese haben eine wichtige Funktion bei der Bereitstellung des Kalziums aus der Nahrung. Frauen, deren Mütter Osteoporose haben, sollten deshalb die Untersuchung zur Früherkennung nicht vergessen und ihren Lebensstil entsprechend ändern. Dazu gehört auf jeden Fall einer Sportart, die die Muskeln aufbaut. Denn: Starke Muskeln geben dem Knochen das Signal, mehr Masse zu bilden und hält diese so fit. Die gleichen Vorsichtsmaßnahmen gelten übrigens auch für dünne, blonde Frauen und starke Raucherinnen, denn sie sind ebenfalls besonders gefährdet.
Außerdem sollten Risiko-Patientinnen unbedingt darauf achten, dass sie jeden Tag genügend Kalzium zu sich nehmen. Mit Hilfe einer Kalzium-Drehscheibe können Sie sich einen Überblick über die wichtigsten Lieferanten verschaffen. Ganz neu ist ein leicht zu bedienender Mini-Computer, der Ihnen berechnet, wie viel Kalzium jeden Tag noch fehlt.


Wichtige Adressen:

Die Kalzium Drehscheibe bekommen Sie beim Aktionsbüro „Stabilitätspakt für die Knochen“, Postfach 19 03 80, 50500 Köln.
Hier können Sie sich auch den Kaliumrechner bestellen. Kosten: 72,20 Euro.
Mehr Infos:www.osteoporose.com

Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose, Kirchfeldstraße 149, 40215 Düsseldorf, Tel.: 0211/301314-0, Fax: 0211/301314-10, E-Mail: info@osteoporose-deutschland.de, www.osteoporose-deutschland.de

Kuratorium Knochengesundheit, Leipziger Straße 6, 74889 Sinsheim, Service-Tel.: 09001/854525 (25 Cent/min., Mo.-Fr. 8.30-12.30 Uhr), Fax: 07261/64659, www.osteoporose.org.de

Einfache Übungen zum Vorbeugen: Barbara Spachtholz, Prof. Dr. Helmut W. Minne, „Aktive Gymnastik gegen Osteoporose“, Trias-Verlag, 17,95 Euro

Print Friendly, PDF & Email