Osteoporose I

chronischer Knochenschwund

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11.08.2001

Der chronische Knochenschwund, die Osteoporose, wird auch heute immer noch als Teil der „normalen Alterung“ betrachtet und in der Folge dann leider nicht konsequent genug behandelt – schmerzhafte Brüche der Wirbelkörper oder des Schenkelhalses mit bleibenden Bewegungseinschränkungen bis hin zu Behinderungen sind die Folge

Gerade in Deutschland herrscht leider eine deutliche medizinische Unterversorgung: Im Vergleich mit neun anderen EU-Staaten und der Schweiz nimmt Deutschland den letzten Platz bei der Verordnung von Osteoporosepräparaten ein, deren Wirkung auch wirklich nachgewiesen ist. Man kann also fast von einer Benachteiligung bei den behandelten Patientinnen ausgehen, nicht enden wollenden Gesundheitsreformgesetzen sei Dank!

In Deutschland leiden ca. 4 – 6 Millionen Menschen unter Osteoporose. Die Gesamtkosten für die Behandlung von Osteoporose, die zu 80 % Frauen betrifft, betragen in Deutschland mindestens 5 Milliarden DM pro Jahr. Durch Früherkennungsmaßnahmen und entsprechende Behandlungen könnten diese Kosten deutlich gesenkt werden.

Wie kommt es zur Osteoporose? Nach dem 30. bis 35. Lebensjahr nimmt die Knochenmasse auch beim gesunden Menschen mit steigendem Lebensalter kontinuierlich ab, bei Osteoporose überdurchschnittlich rasch. Vor allem Frauen nach den Wechseljahren sind betroffen, da die knochenschützenden östrogene fehlen. Aber auch Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Rheuma, Schilddrüsenüberfunktion oder die Einnahme bestimmter Medikamente kommen als Ursache in Frage, genau so Risikofaktoren in Bezug auf die Lebensweise wie Bewegungsarmut, Ernährungsverhalten (Mangel an Kalzium und Vitamin D), Rauchen und zu viel Alkohol.

Die Diagnose wird gestellt durch die Abklärung von Risikofaktoren und die Knochendichtemessung. Geht es darum, eine mögliche Osteoporose exakt zu diagnostizieren, geschieht dies durch die so genannte Zwei-Energien-Röntgenstrahlabsorption, das Knochenbruchrisiko lässt sich auch durch die technisch weniger aufwändige Knochendichtemessung per Ultraschall bestimmen. Nach der Diagnose folgt die Therapie und hier sind in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche neue Medikamente entwickelt worden, die das Risiko osteoporotischer Knochenbrüche um mehr als 50 % senken können: Calcitonin, Kalzium, Fluoride, Hormonersatztherapie, Ipriflavone, östrogenderivate, Steroide, Vitamin D-Metaboliten und Bisphosphonate. Die Wirksamkeit dieser Arzneimittel zur Verhinderung von Knochenbrüchen ist jedoch unterschiedlich und wird durchaus auch von den entsprechenden Experten kritisch beurteilt. Dazu gehört auch die Hormonersatztherapie: Eine Wirkung lässt sich zwar vermuten, durch entsprechende Studien wurde das aber noch nie belegt. Einzig allein die so genannten Bisphosphonate haben einen nachgewiesenen Effekt auf die Verhinderung von Knochenbrüchen. Sie sind leider nicht ganz unproblematisch einzunehmen, da es zu Reizungen von Speiseröhre und Magenschleimhaut kommen kann. Deshalb müssen die zu schluckenden Bisphosphonate so eingenommen werden, dass sie schnell in den Magen gelangen und von dort aus ins Blut ohne große Reizungen zu hinterlassen. Dies geschieht durch eine morgentliche Gabe nach dem Aufstehen, noch vor der ersten Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr mit einem großen Glas Wasser. Andere Flüssigkeiten bzw. Nahrung würden die Bisphosphonate binden, sie dürfen daher frühestens 30 Minuten nach der Einnahme des Medikamentes zugeführt werden. Auch sollte der Patient, um einen Rückfluss der Wirksubstanz in die Speiseröhre zu vermeiden, nach der Einnahme mindestens 30 Minuten lang in aufrechter Haltung bleiben. Diese Prozedur musste bislang täglich durchgeführt werden, und jeder kann sich vorstellen, dass das täglich Ritual einer solch umständlichen morgentlichen Einnahmeprozedur die Therapietreue des Patienten erheblich auf die Probe stellt. Aber auch hier geht der medizinische Fortschritt weiter, es gibt ein Bisphosphonat, was nur noch ein Mal wöchentlich – allerdings mit der gleichen Prozedur – geschluckt werden muss mit ähnlich guten Auswirkungen auf die Knochen, sprich Knochendichtezunahme. Knochenmasse kann aber durchaus auch durch Bewegung aufgebaut werden, wenn gleichzeitig die Kalzium- und Vitamin-D-Versorgung durch die Nahrungsaufnahme sicher gestellt ist. Bei körperlicher Aktivität wird durch Druck und Zug der Muskulatur auf die Knochen der lokale Knochenstoffwechsel angeregt und Kalzium in den Knochen eingebaut. Um Knochenmasse aufzubauen, sind Kräftigungsübungen besonders geeignet. Dies geschieht durch ein so genanntes isometrisches Krafttraining: Hier wird ein Muskel oder eine Muskelgruppe so fest wie möglich angespannt, ohne dass die Gliedmaßen bewegt werden.

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