Nieren

Die ganze Entgiftung läuft über sie

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Die Nieren sind so klein – die Länge der beiden Organe beträgt nur jeweils 12 Zentimeter – und sie leisten doch so großartiges. 1500 Liter Blut – also quasi so viel wie ein großer Öltank voll – durchlaufen sie Tag für Tag. Das Blut wird hier gereinigt, die Schadstoffe werden zusammen mit dem Harn ausgeschieden. Damit am Ende nicht mehr als 1,5 Liter Harn ohne wertvolle Bestandteile ausgeschieden werden, müssen die Nieren eine komplizierte Arbeit verrichten. Sie sind deswegen nicht einfach nur mit einem Filter zu vergleichen, sondern haben einen komplizierten und hochspezialisierten Aufbau.
Die beiden Nieren liegen in der Lendengegend, rechts und links von der Wirbelsäule. Sie sind die hintersten Organe. Um sie vor Stößen und vor Kälte zu schützen, sind sie weich in eine Fettkapsel eingebettet. Vom Aussehen ähnelt die Niere einer Bohne. Der englische Name für Niere zeigt dies deutlich, es ist derselbe wie für Bohne, nämlich „kidney“. Da wo das Weiße der Bohne sitzt, ist auch die Niere eingedellt. Hier befinden sich der Eingang und die zwei Ausgänge der Niere.

Der Eingang ist ein großes Blutgefäß, eine direkte Abzweigung der Aorta, der Hauptschlagader. Hier wird das Blut mit viel Druck in die Niere hineinbefördert und verteilt sich auf mikroskopisch kleine Arbeitseinheiten der Niere. Diese heißen Nephrone (Name kommt von griechischer Bezeichnung für Niere). Über eine Million solcher Arbeitseinheiten besitzt jede Niere. Jede Arbeitseinheit besteht aus einem winzigen Bündel von Blutgefäßen, das von einer mikroskopisch kleinen Kapsel geschützt ist und aus einem verschlungenen Gangsystem aus dünnen Rohren. Das Bündel von Blutgefäßen hat sehr poröse Wände, deswegen sind die Blutgefäße leicht zerreißbar und werden noch einmal extra noch einmal von einer Kapsel umhüllt. Durch die Poren werden Wasser und kleine feste Teilchen hindurchgepresst, wie Harnsäure, Salze, Traubenzucker (Glukose), Aminosäuren und Vitamin C, während die roten Blutkörperchen und die großen Eiweißmoleküle in den Blutgefäßen bleiben. Dies funktioniert ähnlich wie ein Kaffeefilter. Der verbleibende Teil des Blutes verlässt die Niere über eine wegführende Vene und wird wieder dem Blutkreislauf zugeführt. Dies ist der eine von den oben erwähnten beiden Ausgängen der Niere.
Innerhalb der Niere verbleibt ein Rest klar gefiltertes Blut. Dieses wird durch das verschlungene Gangsystem aus dünnen Rohren geführt. Jetzt beginnt die Hauptarbeit der Niere. Sie muss die kleinen Bestandteile im gefilterten Blut trennen in solche, die die Körper verlassen sollen, weil sie ihn schädigen würden, und in solche, die dem Kreislauf erhalten bleiben sollen und ihn nicht verlassen sollen. Vor allem Traubenzucker, Aminosäuren und einige Mineralsalze und Jod werden daher für den Körper zurückgewonnen. Dazu hat die Niere verschiedene Tricks auf Lager: teilweise arbeitet sie mit einem Konzentrationsunterschied und teilweise sammelt sie die wertvollen Bestandteile der Nierenflüssigkeit aktiv durch spezialisierte Nierenzellen (Epithelien). Kleine Zwischenerklärung: Bei Diabetikern, die zuviel Zucker im Blut haben, ist die Niere mit der Rückgewinnung überfordert und der Traubenzucker landet im ausgeschiedenen Harn. So auch der Name Diabetes, was soviel wie „süßer Harn“ bedeutet.
Die Flüssigkeit von mehreren Arbeitseinheiten gelangt in ein Sammelrohr. Aber hier wird das gereinigte Wasser ins Blut zurückgeschleust, dadurch wird der Harn immer dicker und konzentrierter. Durch Hormone, die die Nierenfunktion beeinflussen, steuert der Körper die Konzentration des Harns, abhängig vom jeweiligen Wasserbedarf des Körpers. D.h. wenn wir wenig getrunken haben, hat der Körper einen höheren Wasserbedarf und es wird mehr Wasser aus dem Harn zurückgewonnen. Haben wir jedoch viel getrunken, lässt die Niere mehr Wasser im Harn. Auf diese Weise gleicht die Niere aus, wenn wir mal mehr oder mal weniger trinken. Häufiger Durst ist aber nicht gut, weil die Arbeitseinheiten der Nieren kontinuierlich arbeiten. Bekommen sie aber zuwenig Arbeitsmaterial, sprich Flüssigkeit, kann dies zu einem Nierenversagen führen.

Im Normalfall wird von den ursprünglichen 150 bis 180 Liter Flüssigkeit, die als gefiltertes Blut durch die Nierenkanälchen hindurchgeschickt werden, nur etwa 1,5 Liter als Harn im Nierenbecken aufgefangen. Von dort aus werden sie über die Harnleiter (dies ist der zweite Ausgang, jede Niere hat einen) in die Harnblase geführt und dann über die Harnröhre ausgeschieden. Da ein Mensch von 75 Kilogramm Gewicht etwa 6 Liter Blut besitzt, durchläuft also jeder Tropfen Blut mehrmals am Tag die Nieren und wird auf diese Weise mehrmals täglich gereinigt.

Neben der Blutreinigung und damit verbundenen Harnbildung hat die Niere aber noch einige weitere wichtige Funktionen. So bildet sie ein Hormon, das Erythropoetin, das die Bildung von roten Blutkörperchen anregt. Der komplizierte Name ist besser bekannt unter „EPO“, als solches nehmen es nämlich Radsportler gerne aber unerlaubterweise ein, denn mehr rote Blutkörperchen verbessern den Sauerstoffgehalt des Blutes und damit die Ausdauerfähigkeit des Sportlers.
Die Niere trägt wesentlich zur Regulation des Blutdrucks bei. Wird nur wenig Natrium ausgeschieden, steigt der Blutdruck. Wird mehr Natrium ausgeschieden, sinkt der Blutdruck. Die Nieren produzieren auch ein Enzym mit dem Namen Renin, das ebenfalls zur Blutdruckregulierung beiträgt. Deswegen haben Menschen mit einer geschädigten Niere, wie z. B. Diabetiker, auch oft einen erhöhten Blutdruck. Neue Blutdrucksenker greifen daher auch in das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) der Niere ein.


Erkrankungen der Niere


Akutes Nierenversagen: Durch Vergiftung (Medikamente, Gifte) werden die Arbeitseinheiten der Niere beeinträchtigt, dies kann auch durch Rückstauung des Harns wegen Harnsteine oder einem Geschwulst zustande kommen. Auch bei starkem Blutverlust, starkem Wassermangel versagen die Nieren. Bei Ursachenbehebung regenerieren die Nieren oft von selbst.

Chronisches Nierenversagen: Vor allem durch einen zu hohen Blutzucker (Diabetes mellitus) und einen zu hohen Blutdruck werden die kleinen Gefäßbündel der Nieren geschädigt. Erstes Symptom: Häufiges Aufsuchen der Toilette in der Nacht. Führt zu Folgeschäden wie Übersäuerung des Blutes und Schadstoffanreicherung. Oft muss ein externes Gerät die Blutreinigung übernehmen (Dialyse).

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis): Häufigste Nierenerkrankung, Entwickelt sich leicht aus einer nichtbehandelten Blasenentzündung. Wichtige Anzeichen: Schmerzen und blutiger Harn.

Nierenentzündung (Nephritis): Es wird unterschieden, ob die Nierenkanälchen oder die kleinen Bündel von Blutgefäßen betroffen sind. Häufigste Ursache: Allergien auf Medikamente und andere fehlgeleitete Immunreaktionen. Dadurch können Substanzen passieren, die sonst nicht in den Harn gelangen.


Das sagt uns der Harn

Eine erste Harndiagnose können wir selbst stellen: Ist der Harn dickflüssig, dunkelgelb und riecht streng, haben wir zuwenig getrunken. Trinken Sie zwei Liter am Tag und dies regelmäßig, damit die Niere keine Zwangspause einlegen muss, die schädigend ist. Der Harn sollte dann hellgelb sein.
Der Arzt kann noch mehr feststellen: Innerhalb von einer halben Minute weiß er mit einem Teststreifen, ob sein Patient Eiweiß mit dem Harn ausscheidet. Das ist Zeichen einer Nierenschädigung, weil die Nieren es ja nicht durchlassen dürfen. Findet er kleinste Mengen (Mikroalbuninurie), ist das meist ein Anzeichen für einen zu hohen Blutdruck oder für beginnenden Diabetes mellitus.
Der Teststreifen ergibt weiteren Aufschluss: Kreatinin ist ein Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels, es sollte ausgeschieden werden und zeigt die Funktionstüchtigkeit der Nieren. Ketone entstehen, wenn der Körper Fett abbaut. Nitritwerte steigen an, wenn der Harn Bakterien enthält. Ein hoher Säuregehalt ist Zeichen einer falschen Ernährung (zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse). Die Menge der Mineralstoffe sollte im gesunden Harn gering sein.
Wenn Eiweißstoffe im Urin festgestellt wurden, wird in der Regel mittels einer Gewebeentnahme aus der Niere die Nierenerkrankung genauer bestimmt. Hier hat eine US-Firma zusammen mit der medizinischen Hochschule Hannover ein modernes Verfahren entwickelt: Eine spezielle Analyse der Eiweißstoffe sagt, um welchen Nierenschaden es sich handelt. In wenigen Jahren werden aus dem Harn in einem Speziallabor wesentlich mehr medizinische Informationen zu erhalten sein als heute.

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