Meningitis II

Meningokokken-Meningitiden

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11.07.2003

Frage:

Derzeit wird, wie in den letzten Jahren schon wiederholt, in der Presse in dramatischer Weise über Einzelfälle und lokale Häufungen von Meningokokken-Meningitiden berichtet, unter denen auch einige Todesfälle sind.
Patienten/Eltern sind beunruhigt und fragen nach der Notwendigkeit von Impfungen für Kinder und Erwachsene.
Wie ist der gegenwärtige Stand der Empfehlung bezüglich der Prophylaxe durch Impfung bzw. Antibiotika?

Antwort:

Jedes Jahr nach der Influenza-Saison tritt eine Häufung von Meningokokken-Meningitis-Fällen in Deutschland auf. Von denen im NRZ bisher typisierten mehr als 130 Stämmen gehören 71 % zur Gruppe B und 22 % zur Gruppe C – so wie in den Vorjahren. Betroffen sind vor allem Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche.
Um eine übertragung des Erregers zu verhinedrn, ist es empfohlen, engen Kontaktpersonen (etwas im Haushalt) Rofampicin zu verordnen (Kinder 20 mg/kg/Tag in 3 Einzeldosen, bis maximal zur Erwachsenendosis von 600 mg 2xtgl.: insgesamt 4 Dosen).
Verfügbare Impfstoffe sind derzeit: Kapselpolysaccharid-Impfstoffe gegen die Kapseltypen A+C sowie gegen A+C+W135+Y, sowie ein Kapselploysaccharid-Protein-Konjugat-Impfstoff gegen die Gruppe C. Nur letztere sind im frühen Kindesalter wirksam. Wie lange nach einer Impfung benötigt wird, um einen adäquaten Schutz aufzubauen, ist nicht gut untersucht. In Impfstudien wird die erzielte Antikörperkonzentration in der Regel vier Wochen nach einer Dosis bestimmt. Je nach vorbestehender Immunität könnte gerade bei Gabe der Konjugatimpfstoffe schon innerhalb einer Woche eine adäquate Konzentration spezifischer, schützender Antikörper erzielt werden.
Insgesamt ist aber festzuhalten, dass außerhalb einer Epidemie eine Impfung zum Schutz des Einzelnen oder gar einer Kontaktperson keinen Sinn macht. Außerdem ist es zumindest theoretisch möglich, dass unter dem Selektionsdruck einer Impfung ein Wechsel des Kapseltypes stattfindet. Zumindest in einzelnen Fällen ist dies nachgewiesen worden.
Es ist unbekannt, weswegen die deutschen Medien den jährlich gleichen Sachverhalt in einem Jahr so gut wie gar nicht und im nächsten Jahr in epischer Breite dramatisierend darstellen. Gleichzeitig bleiben Todesfälle durch impfpräventable Krankheiten wie invasive Hib-Infektionen oder Fälle schwerster Schädigung etwa durch konnatale Röteln ohne jegliche Berichterstattung. Fakten, die diese Ungleichbehandlung rechtfertigen, kenne ich nicht. Man darf vermuten, dass derzeit vor dem Hintergrund von MKS und BSE die Bedrohung durch Infektionskrankheiten einfach „politisch ins Bild und zum Zeitgeist“ paßt.

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