Lungenkrebs

Wenn das Leben am seidenen Faden hängt

Print Friendly, PDF & Email

07.03.2007

Es gibt kaum einen Raucher, der nicht weiß, was er seinem Körper mit den Zigaretten antut. Vor allem Lungenkrebs kommt fast nur durch das Rauchen zustande. Trotzdem ist es nicht so leicht, mit dem Rauchen aufzuhören. Aber vielleicht trägt mein Artikel ein bisschen dazu bei, dass Sie doch Ihren Lungen eine „Atempause“ von den giftigen Inhalaten gönnen und zum Nichtraucher werden.

Lungenkrebs ist von allen Krebsarten die häufigste Todesursache bei Männern und die dritthäufigste bei Frauen. In Deutschland erkranken daran pro Jahr 32.000 Männer und etwas über 10.000 Frauen. Während aber seit Mitte der 80-Jahre die Anzahl der Neuerkrankungen bei Männern leicht zurückgeht, steigt sie bei Frauen weiter an. Das hängt damit zusammen, dass immer mehr Frauen zur Zigarette greifen. Allerdings ist nicht nur das Rauchen selbst schädlich, sondern auch das Passivrauchen. Nichtraucher, die sich viel in verrauchten Räumen aufhalten, haben ein um durchschnittlich 40 % erhöhtes Krebsrisiko. Die erhöhte Krebsgefährdung von Passivrauchern wird auch darin deutlich, dass sich bei ihnen, genauso wie bei Rauchern, Abbauprodukte von Tabakgiften im Urin nachweisen lassen.

Das erste Anzeichen für Lungenkrebs ist normalerweise ein hartnäckiger Husten. Der Körper empfindet die Geschwulst als Fremdkörper, den er reflexartig heraushusten möchte. Die weiteren Anzeichen hängen davon ab, wo sich die Krebsgeschwulst befindet. Wenn sie auf einem Bronchienstamm sitzt und diesen verengt, tritt zuerst Keuchen auf, dann Atemnot und Lungenentzündung. Und wenn sie in Blutgefäße der Lungen einwächst, kann es zu schweren Blutungen bis hin zu blutigem Auswurf kommen. Manchmal gibt sich der Lungenkrebs auch nur durch einen Schatten auf dem Röntgenbild der Brust zu erkennen. Werden die ersten Anzeichen verdrängt – diese Reaktion ist ganz normal und tritt aus Angst vor einer unangenehmen Wahrheit auf – wächst der Lungenkrebs ungehindert weiter und durchdringt alles, was sich ihm in den Weg stellt.

Wer übrigens noch keine Anzeichen verspürt, aber Raucher ist und den Zigarettenkonsum nicht einstellen kann, sollte regelmäßig im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung sein Lungen- und Bronchialsystem checken lassen. Dabei wird die Lunge mit dem Stethoskop abgehört. Mit der Lungenfunktionsmessung wird geprüft, wie gut die Atmung funktioniert, wie viel Luft eingeatmet werden kann und ob die Veränderungen in den Bronchien die Atmung behindern. Mit dem Röntgen der Lunge kann eventuell auch eine Geschwulst erkannt werden. Diese Leistungen müssen Sie jedoch selbst zahlen. Ausnahme: Sie leiden schon unter einem lang andauernden quälenden Husten. Hier besteht dann wirklich ein begründeter Verdacht auf Lungenkrebs. Und in dem Fall wäre die Röntgenaufnahme eine Kassenleistung.

Genau festgestellt wird dann der Lungenkrebs nach einer Gewebeentnahme, welche unter dem Mikroskop untersucht wird. Mit einer Computertomographie kann man dann oftmals erkennen, ob sich der Krebs schon auf andere Körperbereiche ausgebreitet hat. Die Positronenemissionstomographie (PET) und das Spiral-CT sind weitere bildgebende Verfahren, um vor allem noch kleine Geschwulste zu erkennen.

Die dann folgende Therapie fällt unterschiedlich aus, je nach dem ob es sich um einen kleinzelligen oder einen nichtkleinzelligen Lungenkrebs handelt. 75 bis 80 Prozent aller Lungenkrebse gehören zum nichtkleinzelligen Typ. Zum Glück. Denn dieser wächst langsamer und breitet sich nicht so schnell aus, weshalb die Heilungschancen etwas optimistischer sind.

Die Therapie beginnt meist damit, dass mit einer Operation die gesamte Geschwulst herausgeschnitten wird. Dies funktioniert aber nur, wenn die Geschwulst nicht zu groß ist und es noch keine Tochtergeschwülste gibt. Mit einer Strahlenbehandlung kann die Geschwulst verkleinert werden, was die Operationschancen verbessert. Auch nach einer Operation wird oft bestrahlt, wenn die Geschwulst nicht vollständig entfernt werden konnte, oder wenn sich Tochtergeschwülste über die Lymphgefäße gebildet haben. Als Chemotherapie bezeichnet man die Gabe von Medikamenten, die das Zellwachstum und die Zellteilung hemmen. Sie wird alleine oder in Kombination mit Bestrahlung und Operation eingesetzt. Welches Verfahren gewählt wird, hängt von dem Stadium der Erkrankung ab. Die als Infusion oder in Tablettenform verabreichten krebshemmenden Medikamente (medizinisch Zytostatika) verteilen sich in alle Gewebe und Organe des Körpers und können auf diese Weise auch verstreute Tumorzellen erreichen und zerstören.

Nichtraucher: So klappt es

Früher ging praktisch nichts ohne den „Punkt-Schluss“ Grundsatz, was nichts anderes bedeutet, als von einem Tag auf den anderen aufzuhören. Heute sind die Hilfestellungen für Raucher wesentlich verfeinert worden, sprich es wird mittlerweile mehr Rücksicht auf die individuellen unterschiedlichen Rauchgewohnheiten genommen. Ganz nach dem Motto „Jeder Raucher ist anders “ gibt es heute angepasste Angebote für den Einstieg zum Ausstieg. Der Nikotin-Kaugummi ermöglicht auch ein zunächst weniger rauchen und dann ganz aufhören. Der Wille nicht mehr rauchen zu wollen, muss allerdings weiterhin beim Raucher vorhanden sein, die Nikotin-Ersatzprodukte mildern nur die körperlichen Entzugserscheinungen. Natürlich geht es auch allein mit Willenskraft, aber Studien belegen klar, dass die Erfolgschancen mit Pflaster, Kaugummi oder Mikrotablette doppelt so hoch liegen. Schwerer ist es, sich von der Gewohnheit zu lösen. Wie die Nikotinforschung heute weiß, kommen wellenartig immer wieder fast unbezähmbare Gelüste auf eine Zigarette auf. Stress, Kummer oder Unzufriedenheit verstärken diese. In diesen Momenten muss man stark bleiben, sich ablenken und sich etwas Gutes tun. Die Vorstellung „Ich sitze in einem verrauchten Raum, versuche aber mein Lieblingsgericht, ein Glas Wein oder Bier zu genießen…“ sollte Ihnen in solchen Momenten den Appetit auf eine Zigarette verderben. Diese wellenartigen Gelüste vergehen so auch schnell wieder.

Adressen

Die Rauchersprechstunde vom deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Tel 06221/42-3007. Ab 1.9.2006, Mo – Fr: 15-19 Uhr

Die Rauchersprechstunde von der Bundeszentrale für Gesundheitsaufklärung BZGA: 01805/ 313131 tägl. von 10.00-22.00 Uhr, Fr. – So. von 10.00 -18.00 Uhr.

Buchtipp: Allen Carr: Endlich Nichtraucher! Mosaik-Verlag, ISBN 3-442-13664-4.

Krebsinformationsdienst KID Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
Telefon (Informationsdienst für krebsbezogene Anfragen): 06221/41 01 21 Mo.-Fr. von 8.00-20.00 Uhr

Zur Chemotherapie kann man heutzutage drei neue Wirkstoffe hervorheben. Wie ganz aktuell auf einem Krebskongress in den USA vorgestellt wurde, überleben Patienten länger, wenn sie als Erstbehandlung das Zytostatikum mit dem Wirkstoff Docetaxel bekommen. Auch wird die Behandlung gut vertragen und es treten wenig Nebenwirkungen auf. Weiterhin gibt es den Wirkstoff Erlotinib. Er wird ebenfalls beim nichtkleinzelligen Lungenkrebs eingesetzt, wenn der nicht oder nicht mehr auf die Chemotherapie anspricht. In dem Fall ist dieser Wirkstoff dazu in der Lage, die Weiterleitung von Wachstumssignalen in den Krebszellen zu bremsen. Wachstumsfaktoren spielen eine wichtige Rolle bei dem schnellen Wachstum von bösartigen Geschwulsten. Bei einem Teil der Patienten konnte die Erkrankung damit zum Stillstand gebracht werden und die Beschwerden verbesserten sich.
Der Wirkstoff Topocetan schließlich ist seit Jahresanfang zugelassen, um das Wiederauftreten von einem kleinzelligen Lungenkrebs zu behandeln. Leider werden diese Patienten meist erst spät behandelt, da die Erkrankung anfangs oft symptomlos verläuft. Eine Heilung ist dann so gut wie ausgeschlossen, weil dieser Krebs sehr aggressiv ist. Wenn der Patient unbehandelt noch 16 Wochen zu leben hätte, verdoppelt sich aber die Lebenserwartung mit diesem Wirkstoff, und gleichzeitig werden die Schmerzen gelindert. Das sind 4 Monate, mit einer gesteigerten Lebensqualität, die man nutzen kann, um noch so manches zu regeln.
Diese Zytostatika sind heutzutage ein Segen für die Patienten, auch wenn sie oft nur den Tod hinauszögern. Rudi Carrell, der am 07.07.06 an Lungenkrebs gestorben ist, hat dies in seiner Fernsehverabschiedung zur Sprache gebracht. Dank der Pharmazeutika würde er nun ein angenehmes Leben führen, ohne sie wäre er jetzt nicht mehr hier, meinte er in seinen letzten Worten, die Millionen von Zuschauern zu Tränen rührte.

Print Friendly, PDF & Email