Fortpflanzung

Jedes neue Leben ist ein Wunder

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22.03.2006

Wie die Fortpflanzung funktioniert, das war (vermeintlich) schon immer klar: „Der Mann ist der entscheidende Träger des Lebens, da er den Samen abgibt. Die Frau stellt sozusagen nur den Acker dafür zur Verfügung und sorgt für das Wachstum des Samens.“ So ungefähr war es erstmals nachlesbar bei den alten Griechen und im frühen Christentum. Mit der Erfindung des Mikroskops änderte sich die Annahme, dass im männlichen Samen bereits alles Leben enthalten sei. Denn erst mit dem Mikroskop konnte im Jahr 1827 der estnische Naturforscher Karl Ernst von Baer die Eizelle entdecken. Von nun wird die Frau als gleichbedeutend wichtig zur Fortpflanzung angesehen.

Das heißt, es bedarf der Vereinigung einer männlichen Samenzelle mit einer weiblichen Eizelle. Von dieser geschlechtlichen Fortpflanzung ist die ungeschlechtliche zu unterscheiden, wie sie manche Pflanzen und Würmer, sowie auch Viren praktizieren. Hierbei werden von dem Lebewesen einfach Kopien hergestellt. So kann ein einziges Grippevirus, das in den Körper eindringt, innerhalb von sechs Stunden 1500 Kopien seiner selbst herstellen, und braucht dazu keinen Geschlechtspartner. Die geschlechtliche Vermehrung ist komplizierter, hat aber große Vorteile: Es kann sich Erbmaterial von zwei Partnern vermischen und damit ist eine Höherentwicklung von Lebewesen möglich.

Zur Fortpflanzung müssen die Spermien die Eizelle aktiv aufsuchen. Dazu wandern sie durch die Gebärmutterhöhle bis zur Ampulle des Eileiters, wo das weibliche Ei ihnen entgegenkommt. Wenn das Ei noch auf sich warten lässt, weil der Eisprung noch nicht stattgefunden hat, ist das nicht weiter schlimm. Denn die Spermien können drei Tage im Labyrinth des weiblichen Genitale überleben. Nicht so das Ei: Wird es nach dem Eisprung nicht innerhalb von 12 bis 24 Stunden befruchtet, stirbt es ab.

Bei der Befruchtung dringt der Kopf der Samenzelle mit Hilfe von Enzymen in die Eizelle ein, während der Schwanz abfällt und außen bleibt. Dies löst ein Aktionspotential aus, wodurch die Hülle der Eizelle so verstärkt wird, dass kein weiteres Spermium hindurchkommt. Bei eineiigen Zwillingen verläuft diese Reaktion im Prinzip genauso, nur teilt sich hier die befruchtete Eizelle in einem frühen Entwicklungsstadium in zwei Zellgruppen, die zu selbstständigen aber genetisch identischen Individuen heranwachsen. Bei mehreiigen Zwillingen hat der weibliche Körper zwei geschlechtsreife Eizellen zur gleichen Zeit gebildet, weshalb dann auch zwei Eizellen befruchtet werden können. Und jetzt setzt ein wundervoller Vorgang ein, als dessen Endergebnis gute neun Monate später ein Kind auf die Welt kommt. Denn noch stellt das befruchtete Ei eine einzige Zelle dar. Aber aus dieser geht ein Mensch mit unvorstellbar vielen Zellen hervor, welche sich zu einem Körperbau, zu Organen mit unterschiedlichen Funktionen und nicht zuletzt zur faszinierenden Steuerzentrale, dem Gehirn zusammenfinden.

Eizelle und Spermium ist gemeinsam, dass sie einen Kern besitzen. Diese enthalten jeweils 23 verschieden große aber ähnlich aussehende Gebilde, die als Chromosomenpaare bezeichnet werden. Dies sind unsere Erbanlagen. Über einen komplizierten Vorgang verschmelzen zuerst die männlichen und weiblichen Erbanlagen miteinander. Nach 30 Stunden beginnt die eigentliche Zellteilung. Dabei werden von den Erbanlagen unentwegt Kopien angefertigt, denn jede einzelne Körperzelle wird später die kompletten 23 Chromosomenpaare enthalten. Das befruchtete Ei wandert unterdessen langsam weiter den Eileiter abwärts, bis es nach vier bis fünf Tagen die Gebärmutter erreicht hat. Jetzt wird es höchste Zeit, dass es von einer so genannten Keimblase umhüllt wird, noch kaum größer als das Ei selbst. Aus dieser Keimblase bildet sich später die Fruchtblase, in der das Kind in Fruchtwasser schwimmend heranwächst. Aber zuerst noch muss sich das Ei mitsamt Keimblase irgendwo in der Gebärmutterschleimhaut seinen Platz suchen. Hier nistet es sich ein. An dieser Stelle beginnt die Schleimhaut sich zu verändern. Der Mutterkuchen (Plazenta) bildet sich heran. In ihm wird später ein Strang von Blutgefäßen münden, der aus dem Nabel des Kindes herauskommt. Gleichzeitig wird die Plazenta von den Blutgefäßen der Mutter durchströmt, sodass hier ein Austausch stattfinden kann und das heranwachsende Lebewesen Nährstoffe und Sauerstoff bekommt.

Von nun an ist den Wissenschaftlern nur gelungen, das weitere Wachstum des Kindes zu beschreiben. Aber woher weiß zum Beispiel eine eben entstandene neu geteilte Körperzelle, ob sie jetzt zu einer Leberzelle oder zu einer Nervenzelle heranreifen soll? Wie fangen die Zellen an, sich miteinander zu verständigen, sodass sie im Einklang wachsen und sich nicht gegenseitig behindern? Wann entsteht das Bewusstsein? Ist irgendwo tief in unserem Gehirn eine Erinnerung an diese Zeit im Bauch der Mutter abgelegt? Fragen über Fragen zu dem immer noch ungelösten Wunder des Lebens.

Krankheiten, die zur Unfruchtbarkeit führen können

Unfruchtbarkeit (Sterilität oder Infertilität): Die Unfähigkeit der Empfängnis bzw. Befruchtung oder die Unfähigkeit, eine Schwangerschaft auszutragen. Häufigster Grund beim Mann: mangelhafte Produktion normaler und gut beweglicher Spermien. Bei der Frau ist es die gestörte Eizellreifung.

Eileiterverschluss: Entsteht durch Entzündungen, vorangegangene Eileiterschwangerschaften, Operationen oder durch Wucherung der Gebärmutterschleimhaut. Dann kann der Transport des Eis erschwert bis unmöglich sein.

Endometriose: Wachstum der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter. Kann auch Eileiter zuwuchern.

Polyzystisches Ovar: Das Auftreten von vielen kleinen mit Wasser gefüllten Bläschen (=Zysten) in den Eierstöcken.

Mangelhafte Spermienproduktion: Kann passieren durch Mumps, Hodenhochstand, Hormonstörungen, Diabetes, Tumore, Stress, Infektionen, Umweltbelastungen, Alkohol und Nikotin.

Künstliche Befruchtung

Tritt nach zwei Jahren regelmäßigem Geschlechtsverkehr (d.h. zweimal pro Woche) keine Schwangerschaft ein, spricht man von Unfruchtbarkeit. Die Ursachen liegen zu 40 Prozent beim Mann, zu 40 Prozent bei der Frau, zu 10 Prozent an beiden, und bei den restlichen 10 Prozent sind sie nicht feststellbar. Vor einer künstlichen Befruchtung müssen sich deshalb beide Partner untersuchen lassen. Dann kommen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten in Frage.

1) Insemination: Wenn z.B. der Transport der Spermien durch die Samenleiter des Mannes gestört ist, kann der Samen künstlich in den Körper der Frau übertragen werden.

2) IVF (in vitro Fertilisation): Wenn Spermien zu schwach sind, oder die Eileiter der Frau nicht richtig durchgängig sind, wird eine Befruchtung außerhalb des Körpers gemacht. Vorher spritzt man der Frau über einige Tage hinweg ein bestimmtes Hormon, welches die Eizellen reifen lässt und sie befruchtungsfähig werden. Dann entnimmt der Arzt das gereifte Ei, „befruchtet“ es außerhalb des Körpers (in vitro) mit den Spermien und injiziert es dann wieder in die Gebärmutter. Die „Baby-Take-Home-Rate“ liegt bei etwa 25 Prozent, Tendenz steigend.

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