Erkältungs- und Grippewelle hat Alzeyer Land fest im Griff

Autor: B. Rehse

Die Grippewelle hat auch das Alzeyer Land erfasst. Während Arztpraxen überfüllt sind, klaffen in Schulen, Kindertagesstätten und an so manchem Arbeitsplatz krankheitsbedingte Lücken. Wie ein „Durchlauferhitzer“ wirkte die Fastnacht, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkamen, sodass sich die Viren gut verbreiten konnten. Andererseits war nicht jedes Kostüm geeignet, den winterlichen Temperaturen bei den Umzügen zu trotzen.

TIPPS VOM MEDIZINER
Um Erkältung und Grippe vorzubeugen, empfiehlt Dr. Ralf Schneider, einige grundsätzliche Verhaltensregeln zu beachten.
Die lauten: Frische Luft, Sport treiben, vitaminreiche Kost wie frisches Obst und Gemüse zu sich nehmen, wenig Alkohol und genügend Schlaf.
„Außerdem sollte man das Händeschütteln vermeiden, da hierbei die meisten Keime übertragen werden“, so Schneider.
Und: „Bereits Erkrankte sollten zu Hause bleiben.“

Hoher Krankenstand
Vom Grippevirus gleich doppelt getroffen ist das DRK Krankenhaus. „Gestern hatten wir kein dreckiges und kein sauberes Bett mehr“, bringt der Ärztliche Direktor Dr. Karl von Blohn die angespannte Situation auf den Punkt. Das deckt sich mit Aussagen der Deutschen Krankenhausgesellschaft, wonach in manchen Regionen die Kliniken „komplett dicht“ seien. „Mehr als die Hälfte der Neuaufnahmen kommen mit den Folgen eines schweren grippalen Infekts in unser Haus“, so von Blohn. Doch auch das Personal des DRK Krankenhauses bleibt von der Erkältungswelle nicht verschont. „Unser Krankenstand liegt derzeit bei rund 25 Prozent“, stellt der Ärztliche Direktor fest.

„Ende ist nicht in Sicht“
Alle Hände voll zu tun hat auch die Ärztliche Bereitschaftspraxis in der Kreuznacher Straße, die außerhalb der Öffnungszeiten der Hausarztpraxen die Kranken versorgt. „Alleine am Rosenmontag hatten wir 145 Patienten. Am Wochenende danach rund 70“, berichtet Jacqueline Rau-Schitthelm. „Seit Rosenmontag laufen die Praxen über“, unterstreicht Dr. Ralf Schneider. Der Hausarzt und Vorsitzende des Ärzteverbandes Medidoc Rheinhessen-Pfalz fügt hinzu: „Ein Ende ist nicht in Sicht.“ Am Mittwochmorgen habe eine Alzeyer Praxis sogar schließen müssen, weil zwei Ärzte erkrankt sind. Auch in der Framersheimer Praxis von Dr. Friedel Rohr herrscht Hochbetrieb. „Durch die Fastnachtszeit hat sich das hochgestachelt. Besonders junge Leute sind betroffen“, schildert der Vorsitzende des Gesundheitsnetzes Alzey und Umgebung. Dass dies so ist, führt er darauf zurück, dass die Kassen Impfungen nur noch bei Menschen, die älter als 60 Jahre sind, bezahlen. Rohr selbst und sein Team lassen sich schon seit Jahren gegen Grippe impfen. Er hat seit Oktober rund 350 Impfungen an seinen Patienten durchgeführt.

Das Fatale an der derzeit grassierenden Grippe ist jedoch, dass sich die Virenstämme verändert haben, so dass auch eine vorsorglich erfolgte Impfung keinen unbedingten Schutz bietet. Dass es in den Apotheken keine Lieferengpässe bei den einschlägigen Erkältungs- und Grippemitteln gibt, bestätigt Martin Meirer, Inhaber der Volker- und der Löwen-Apotheke. „Im Moment trifft Erkältung auf Grippe, vor zwei Wochen kamen noch Magen- und Darminfektionen hinzu“, so Meirer, der auch vermeintlich gut informierte Kunden berät. Meirer: „Grippostad hilft nun mal nicht bei Husten.“

Nur Betreuung möglich
Durch die Erkältungswelle bleibt mancher Arbeitsplatz unbesetzt. Von „erheblichen Ausfällen“ in allen Abteilungen spricht Frank Müller, Pflegedirektor der Rheinhessen-Fachklinik, dem größten Arbeitgeber der Stadt. „Der Betrieb kann aufrechterhalten werden, weil wir abteilungsübergreifend aushelfen können“, so Müller. Während in Einrichtungen wie der Nibelungenschule und dem Hanni Kipp-Haus des Kindes der Betrieb normal läuft, registriert Markus Eiden, Leiter der Berufsbildenden Schule, einen höheren Krankenstand bei Lehrern und Schülern. „Bei uns ist die große Welle wohl schon vorbei“, merkt Rudolf Blahnik, stellvertretender Leiter des Aufbau- und Landeskunstgymnasiums, an. Das kann Andreas Dilly für seine Gustav-Heinemann-Realschule plus nicht behaupten: „Elf von 70 Kolleginnen und Kollegen sind erkrankt.“ Am Donnerstag musste zudem der Unterricht einer Lerngruppe von Zehntklässlern ausfallen, weil zu viele Schüler gefehlt haben.

Für Bärbel Demler ist in diesen Tagen Improvisationsgeschick angesagt. „Am Dienstag sind sieben Kolleginnen ausgefallen. Da stößt man an Grenzen. Ich schiebe Kinder und Kolleginnen hin und her wie auf einem Schachbrett“, sagt die stellvertretende Leiterin der Kita Martin-Niemöller-Weg. Derzeit könnten die Kinder nur betreut werden, an pädagogische Arbeit sei wegen der Ausfälle nicht zu denken.

Siehe auch Direktlink zur Allgemeinen Zeitung: http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/alzey/alzey/erkaeltungs-und-grippewelle-hat-alzeyer-land-fest-im-griff_15055842.htm

 

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