Beschämend: Kommentar von Steffen Nagel zur Diskussion um die Hospiz-Pläne

Ein neuer Windpark? Okay. Ein Großunternehmen im Gewerbegebiet? In Ordnung. Eine Justizvollzugsanstalt in unmittelbarer Nachbarschaft? Nachvollziehbar. Ja, es gibt Themen, über die kann man in einer Gemeinde trefflich streiten. Doch es gibt Grenzen. Wenn der Bau eines Hospizes ein Dorf spaltet, läuft etwas ganz grundsätzlich falsch.

Und es wird deutlich, dass die Verrohung der Gesellschaft nicht nur Hirngespinst, sondern bittere Realität ist. Dass ausgerechnet jene von „emotionaler Belastung“ durch eine Palliativeinrichtung mit zwölf Zimmern sprechen, deren Haltung am wenigsten Mitgefühl erkennen lässt, ist zynisch. Und, mal generell gefragt: Sterben bislang in Eppelsheim etwa keine Menschen? Doch, tun sie. 2017 hat das Dorf 23 seiner Bürger verloren. Hinter fast jeder Haustür trauern Familien um Verstorbene. Denn der Tod ist ein Teil des Lebens. Ihn so erträglich wie möglich gestalten und Menschen in Würde sterben lassen zu können, ist eine der großen Errungenschaften der Moderne.

Wir können von Glück reden, dass es Palliativmedizin und soziale Einrichtungen wie Hospize gibt. Auch vor der eigenen Haustür. Jene, die das nicht ertragen können, müssen sich sagen lassen: Diese Haltung ist beschämend.

Zum Originalartikel gelangen Sie über folgenden Link: http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/alzey/vg-alzey-land/eppelsheim/beschaemend-kommentar-von-steffen-nagel-zur-diskussion-um-die-hospiz-plaene_18828178.htm

Experten aus der Region äußern sich zu den Widerständen gegen das geplante Hospiz in Eppelsheim

Wie viel Tod verträgt Eppelsheim? Diese Frage wurde im Vorfeld der Bürgerversammlung zum geplanten Hospiz in der Gemeinde auf einem im Ort kursierenden Flyer gestellt. Die Überlegungen, eine Einrichtung mit zwölf Zimmern zur Betreuung todkranker Menschen sowie das Verwaltungszentrum des Vereins zur Förderung der ambulanten Palliativversorgung Rheinhessen/Pfalz (SAPV) im Dorf zu errichten, sorgt bei einem Teil der Bevölkerung für Unmut. Die AZ hat mit Experten aus der Palliativ- und Hospizarbeit gesprochen und sie zu den Widerständen in Eppelsheim befragt.
Udo Vilz, stellvertretender Vorsitzender des Hospiz- und Palliativverbandes Rheinland-Pfalz, bezeichnet den Bau eines Hospizes in einer 1200-Einwohner-Gemeinde als „eher ungewöhnlich, auch bundesweit“. Die meisten Einrichtungen dieser Art finde man in kleinen oder größeren Städten. „Meines Wissens nach sind auch alle Neugründungen stationärer Hospize in den vergangenen Jahren geräuschlos verlaufen“, sagt Vilz. Das liege sicher aber auch daran, dass sie eben in Städten erfolgt seien, oft auch in unmittelbarer Nähe zu bereits bestehenden Einrichtungen, etwa Krankenhäusern.
Katharina Nuß, Vorsitzende des Hospizvereins Dasein, hat ihre eigene Erklärung für das Verhalten der Gegner des in Eppelsheim geplanten Hospizes. „Hier wird eine panische Angst vor dem eigenen Ende sichtbar“, sagt sie. Und wahrscheinlich auch eine Unkenntnis darüber, was ein Hospiz eigentlich ist: Denn ein Hospiz sei kein „Todeshaus“, sondern ein „Lebenshaus“. Wer dorthin komme, sei eben noch nicht gegangen, und die Tage, die er noch habe, gelte es, so schön wie möglich zu gestalten.
Nuß ist sicher: Wenn man die Gegner fragen würde, wie sie selbst einmal sterben wollen, würden mit Sicherheit Worte wie begleitet, behütet, schmerzarm und geborgen fallen. Und genau dies wolle ein Hospiz bieten. „Warum wollen sie das anderen, die ihnen schon ein Stück vorausgegangen sind, hier nicht gewähren?“ Vielleicht könnten sie das Hospiz in Eppelsheim verhindern, aber „Sterben kriegen sie nicht weg, dem können sie sich nicht entziehen.“
Nuß berichtet, dass es in Hessen bereits ähnliche Initiativen gegen ein Hospiz gab. Andererseits sieht sie auch viele Menschen, die sich offen mit dem Thema Sterben beschäftigen und helfen wollen. Die „Letzte-Hilfe-Kurse“ ihres Vereins brummen, innerhalb eines Jahres hat ihr Dasein zudem 20 neue Mitglieder gewonnen, Veranstaltungen an verschiedenen Orten vom Museum bis zum Bali-Kino werden gut angenommen. Derzeit laufe ein Ausbildungskurs für Sterbebegleiter. Er sei ausgebucht, der nächste schon in Planung. Mit Blick auf die Hospizgegner von Eppelsheim mahnt Nuß indes: „Es wird überhaupt nicht helfen, die Leute zu stigmatisieren, man kann nur versuchen, sie zu gewinnen.“
Das ist auch das Anliegen von Dr. Christoph Kern, zweiter Vorsitzender des Vereins Rheinhessen Hospiz. Von der „sehr kontroversen Diskussion“ bei der Bürgerversammlung sei er „sehr überrascht“ gewesen, sagt er. Mit den Plänen für ein palliatives Projekt sei ein großer Keil in die Gemeinde getrieben worden. „Deshalb muss jetzt das gemeinsame Ziel aller sein, den Keil herauszutreiben und Frieden in die Dorfgemeinschaft zu bringen“, sagt Kern.
Daher wolle er das Projekt, das auf die nächsten Jahre angelegt sei, hinten anstellen und mit der Gegenseite zusammenkommen. „Ich will dabei helfen, Vorurteile abzubauen. Ich kenne mich als Palliativmediziner gut aus, das ist mein Thema“, so Kern. Ihm sei es wichtig, zu schauen, welche Ängste hinter den Vorbehalten steckten. Deswegen traf er sich bereits mit einem Widersacher des Projekts, um eben ins Gespräch zu kommen und gegenseitige Vorurteile abbauen zu können.

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Überrascht vom Widerstand: Ortsbürgermeisterin Ute Klenk-Kaufmann aus Eppelsheim über das geplante Hospiz

Die Idee für ein Hospiz im Dorf, eine Bürgerversammlung und jede Menge kontroverser Diskussionen. Hinter der Eppelsheimer Ortsbürgermeisterin Ute Klenk-Kaufmann liegen turbulente Tage. Die AZ sprach mit ihr über den unerwartet großen Widerstand im Dorf gegen die geplante Einrichtung.
Frau Klenk-Kaufmann, wie sehr hat Sie die emotionale Debatte überrascht?
Ganz überraschend kam es nicht, weil mir schon in den letzten Tagen einiges zu Ohren gekommen war. Bürger sollen besucht worden sein, um Unterschriften zu leisten, in bestimmten Straßen wurden Flyer verteilt. Viele Bürger, die sich an mich gewandt haben, waren betroffen, dass schon im Vorfeld der Versammlung vermittelt wurde, man müsse dagegen sein.
Sind Sie schockiert, wie viele Bürger gegen das Projekt sind?
Das kann ich so nicht sagen, aber ich hatte auf jeden Fall nicht damit gerechnet. Für mich ist das Thema allgegenwärtig, ich weiß, dass der Tod mitten im Leben ist. Und dass jeder einmal davon betroffen ist. Von daher habe ich mir das so nicht vorgestellt.
Woher rührt die Abneigung im Ort?
Dass man sich das nicht für ein Dorf vorstellen kann. Es war die Meinung, so etwas sollte nach Alzey oder Worms, aber nicht nach Eppelsheim. Dabei muss die Dorfbevölkerung natürlich auch sehen, dass auch sie von dem Thema betroffen ist. Oft wird uns gesagt: Alles ist in der Stadt, aber nichts ist auf dem Land.
Es heißt, Sie hätten zu spät über das Projekt informiert. Seit wann ist das Thema der Verwaltung bekannt?
Seit der Anfrage von Dr. Friedel Rohr (stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Förderung der ambulanten Palliativversorgung Rheinhessen/Pfalz, Anm. d. Red), das war mündlich im Dezember. Dann kam Ende Januar die Nachricht, dass sich die Verantwortlichen Eppelsheim gerne mal ansehen wollten. Ich habe gesagt, Grundstücke habe ich eigentlich nicht, aber man kann sich ja mal unterhalten. Die Leute waren etwa eine halbe Stunde da, danach habe ich erst mal nichts mehr gehört. Mitte Februar haben wir dann gehört, dass Eppelsheim als Standort sehr interessant sei. Daraufhin habe ich mich erst einmal beraten lassen bei den Bauämtern von VG und Kreis. Ich habe das Thema dann mit meinen Beigeordneten besprochen, die alle dafür waren. Wir hatten zu dem Zeitpunkt nicht mit den Gegenargumenten gerechnet. Es gab weitere Gespräche mit den Grundstückseigentümern und den Investoren. Am 9. April gab es einen gemeinsamen Termin mit Vertretern der Gemeinde, der VG, den Grundstücksbesitzern und den Investoren.
Und der Rat?
Der war zu dem Zeitpunkt noch nicht direkt beteiligt, das ist es vielleicht auch, was mir jetzt zum Vorwurf gemacht wird. Aber ich muss als gewählte Person schon auch einen gewissen Handlungsspielraum haben. Am 12. April habe ich ein Info-Schreiben an alle Ratsmitglieder verschickt und angekündigt, dass in der nächsten Sitzung ein Rahmenvertrag vorliegt. Am 24. April war die Ratssitzung. Aber es gab und gibt keinen Beschluss zu dem Projekt, weil man sich einig war, dass man die Bevölkerung dabei mitnehmen muss.
Wie steht denn der Rat dem Thema gegenüber?
Das kann ich Stand heute nicht sagen. Da müsste der Rat erst einmal in Ruhe über die Bürgerversammlung reden können. Es sind massive Gegner des Projektes auch unter den Ratsmitgliedern.
Eppelsheim hat aufgrund seiner starken Dorfgemeinschaft in der Vergangenheit oft positive Schlagzeilen geschrieben. Fürchten Sie, dass dieser Zusammenhalt nun bröckelt?
Das denke ich eigentlich nicht. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass so viele Leute zum Reden kamen. Die Bürgerversammlung war auch ein Ventil, auf beiden Seiten. Ich fand die Diskussion gut und wichtig. Die Dorfgemeinschaft kann daran wachsen.
Werden Sie das Projekt nun weiter vorantreiben?
Ich muss jetzt mit meinem Rat zusammenkommen und seine Haltung einholen. Die Tage nach der Bürgerversammlung dienen allen zum Nachdenken.

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Streit ums Sterben: Die Idee für ein Hospiz sorgt in Eppelsheim für Diskussionen

Dass ein Hospiz eine gute Sache ist, ist im Ort unumstritten. Ob eine solche Einrichtung in Eppelsheim gebaut werden soll, aber sehr wohl: Hochkochende Emotionen, verbale Schlagabtausche, Diskussionen über Mutmaßungen, Halbwahrheiten und auch Fakten bestimmten das Geschehen einer Bürgerversammlung, zu der Ortsbürgermeisterin Ute Klenk-Kaufmann (FWG) am Mittwochabend in den Bürgersaal eingeladen hatte. Dort stellten der Verein zur Förderung der ambulanten Palliativversorgung Rheinhessen/Pfalz (SAPV) und der Verein Rheinhessen Hospiz ihre Pläne vor, in Eppelsheim ein Hospiz und das Verwaltungszentrum des SAPV zu errichten.
„Beschämend“: Kommentar von Steffen Nagel
•    Das Projekt
Für das Hospiz mit 12 Zimmern und nicht einsehbarem Garten sowie das Verwaltungsgebäude des SAVP werden insgesamt 4000 bis 5000 Quadratmeter möglichst ebener Baugrund benötigt. Beide Gebäude verfügen zusammen über 1500 Quadratmeter Fläche. Das Investitionsvolumen: vier bis fünf Millionen Euro. Ausführliche Informationen zum SAPV und Verein Rheinhessen Hospiz gibt es im Internet.
•    Weiterführende Links
Im Zuge der Suche nach einem Standort hatten die beiden Vereine 2018 alle Kommunen innerhalb ihres Versorgungsgebietes, welches die Regionen Alzey, Kirchheimbolanden und Worms umfasst, angeschrieben. Zu denen, die antworteten, gehörte Eppelsheim – strategisch bestens gelegen im Zentrum des Versorgungsgebietes. Mögliche Bauplätze konnten Klenk-Kaufmann und die drei Beigeordneten der Ortsgemeinde nach Gesprächen mit Grundeigentürmern anbieten, der Gemeinderat befasste sich mit dem Thema, ohne dass jedoch irgendetwas beschlossen wurde. Eine Bürgerversammlung sollte nun den Rahmen für die Präsentation des angedachten Projekts bieten und den Bürgern Gelegenheit geben, sich dazu zu äußern. Dass die Diskussion derart hitzig und kontrovers verlaufen würde, habe sie sich nicht vorstellen können, sagte Klenk-Kaufmann. „Ich stehe zu dem Vorhaben, denn es ist meiner Meinung nach ein richtig gutes, das unserer Gemeinde auch Chancen eröffnet.“
Davon wollten die Kritiker allerdings nichts wissen. Sie führten unter anderem Argumente wie diese ins Feld: Ein Hospiz, in dem alte und auch junge Sterbenskranke versorgt werden, sei eine zu hohe emotionale Belastung für die Anwohner; durch die 30 bis 40 Mitarbeiter sowie die Besucher entstehe deutlich mehr Straßenverkehr an allen Tagen rund um die Uhr mit entsprechenden Emissionen und Straßenschäden; ständig fahre der Leichenwagen durch den Ort; die erforderliche Infrastruktur gebe es im Ort nicht, keinen Schneider, der den letzten Anzug fertige und keine Möglichkeit, auch mal schnell noch eine Tafel Schokolade als Mitbringsel für den Angehörigen im Hospiz zu kaufen. Bemängelt wurde, es gebe keinerlei verbindlich-regelnde Papiere oder Verträge, was die Ansiedlung und den Betrieb des Hospizes in der Gemeinde betreffe. Andere warfen der Gemeindespitze dagegen vor, alles schon viel zu weit vorangetrieben und unter Ausschluss der Bürger ja schon Fakten geschaffen zu haben.
Beschimpfungen in sozialen Medien
Als dann auch noch bekannt wurde, dass schon im Vorfeld der Versammlung Befürworter eine Hospizes höchst aggressiv verbal angegangen worden und die Vorständler der beiden Vereine übelst beschimpft worden seien – in sozialen Medien sei das Attribut „Erbschleicher“ noch das freundlichste gewesen – platzte einigen Eppelsheimern die Hutschnur. „Ich vermisse hier Menschlichkeit und Nächstenliebe“, rief eine Frau. „Wenn hier ein Netto-Markt gebaut werden sollte, würdet ihr alle Hurra schreien.“
Die „enorme zusätzliche Verkehrsbelastung und die Emissionen“ ließen die Hospiz-Befürwortenden nicht gelten: An Eppelsheim vorbei verlaufe schließlich die A61, und wenn morgens viele gerade zum Brötchenholen durch den Ort führen, beschwere sich niemand. Und wenn jemand angeblich nicht ertragen könne, zu wissen, dass im Hospiz alte und junge Menschen ihre letzten Tage verbringen, solle er doch daran denken, der Tod gehöre zum Leben und wie schnell es jeden treffen könne. „Dann eine solche Einrichtung im Ort zu haben, ist doch sehr hilfreich.“ Gegen solche Ängste helfe vielleicht auch mal eine Führung durch ein Hospiz.
Pfarrerin bemüht sich um versöhnlichen Ausklang
Moderatorin Margarete Ruschmann mahnte einige Diskussionsteilnehmer zwar immer wieder Sachlichkeit an, doch sie hatte über weite Strecken keine Chance. Ute Klenk-Kaufmann kündigte an, der Gemeinderat werde sich mit dem, was in der Bürgerversammlung gesagt wurde, auseinandersetzen und über das weitere Prozedere beraten. Schließlich bemühte sich Pfarrerin Andrea Beiner um einen versöhnlichen Ausklang und rief zu einem fairen Miteinander auf. „Wir in Eppelsheim machen es uns nicht leicht“, sagte sie, „aber ich hoffe, wir kommen zu einem guten Ergebnis.“

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Artikel zur Nachtvorlesung am 25.04.2018 – Es tut über all weh

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http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/alzey/alzey/nicht-auf-den-durst-warten_18711305.htm

Nachtvorlesung von Gesundheitsnetz und AZ informiert über schmerzhafte Sarkopenie

ALZEY – Die gute Nachricht zuerst: Man kann sie nicht heilen, aber man kann sie aufhalten. Bewegt man sich genug und ernährt sich ausgewogen, bekommt man sie meist erst gar nicht. Die Rede ist von Sarkopenie. So nennen Mediziner den im Alter zunehmenden Abbau von Muskelmasse und -kraft, der nicht selten mit Schmerzen einhergeht.

Schleichender Prozess beginnt mit 30

Diesem pathologischen Phänomen hat sich die jüngste Nachtvorlesung von Gesundheitsnetz Region Alzey und Allgemeiner Zeitung im proppenvollen Konferenzraum des DRK Krankenhauses gewidmet. Sinnigerweise trägt die populärwissenschaftliche Vorlesung des Allgemeinmediziners Dr. Günter Gerhardt und der Ernährungswissenschaftlerin Dr. Rita Hermann den Titel „Es tut alles weh“.

Der Wendelsheimer Arzt macht deutlich, dass Sarkopenie ein schleichender Prozess ist, der schon mit 30 beginnen kann. Zur vollen und damit auch schmerzhaften Entfaltung kommt Sarkopenie aber erst im Alter, wenn Muskelmasse abgebaut ist und die Kraft nachlässt. Das liegt vor allem an der Unterversorgung der Muskeln mit Nährstoffen, insbesondere Proteinen, also Eiweiß.

„Alte Menschen trinken oft zu wenig und haben auch ein vermindertes Hungergefühl“, nennt Gerhardt einen Grund dafür. Medikamentationen bei chronischen Krankheiten, Demenz oder Vereinsamung können dazu beitragen. „Was soll ich mir allein denn noch kochen?“ – eine Frage, die Günter Gerhardt von alleinstehenden älteren Patientinnen und Patienten häufig hört. Nicht weniger oft fällt der Satz: „Wenn ich morgens meine Tabletten alle genommen habe, bin ich schon satt.“ Sarkopenie kann aber auch hormonelle Ursachen haben.
Und wie bemerkt man die Sarkopenie? „Die Beweglichkeit nimmt ab und es besteht die Gefahr häufiger Sturzereignisse“, skizziert Gerhardt zwei Symptome. Deshalb sollte man Haus und Wohnung auf Stolperfallen überprüfen. Und Gerhardt hat auch einen praktischen Test parat: Mit verschränkten Armen auf einen Stuhl setzen, dann fünfmal aufstehen und hinsetzen. „Wer dafür länger als zehn Sekunden braucht, bei dem liegt ein Kriterium für Sarkopenie vor.“

Therapieren lässt sich Sarkopenie mit gezieltem Krafttraining. „Eine Alternative ist das Vibrationstraining. Damit beugt man durch den Zug der Muskeln am Knochen auch gleichzeitig Osteoporose vor“, sagt Gerhardt, schränkt allerdings ein, dass diese Variante bei Arthrose ausscheide. Die Koblenzer Ökotrophologin Rita Hermann macht deutlich, dass die beste Vorsorge die ausreichende Versorgung der Muskeln mit Energie und Nährstoffen ist. „Dabei geht es nicht um die Menge, sondern um die Qualität dessen, was wir zu uns nehmen“, sagt sie. Denn der Nährstoffbedarf sei bei einem alten Menschen ähnlich hoch wie bei einem jungen. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass der Körper auch genügend Flüssigkeit erhalte. „Warten Sie nicht auf den Durst, sondern stellen Sie sich morgens eine Flasche Wasser hin und sehen Sie zu, dass die abends leer ist“, gibt Rita Hermann einen Tipp, wie man dem im Alter nachlassenden Durstempfinden wirkungsvoll begegnet.

Neben Bewegung und Ernährung sind für die Ernährungswissenschaftlerin aber auch Nahrungsergänzungsstoffe ein Mittel im Kampf gegen die Sarkopenie. Doch gleich ob Proteine, Kalzium oder Kreatin – in jedem Fall sollte man sich von Arzt oder Apotheker vorab beraten lassen und Produkte aus dem Supermarkt meiden. Hilfreich sei auch eine basische Ernährung mit viel Obst und Gemüse.

Nachtvorlesung: Gesundheitsnetz und Allgemeine Zeitung informieren in Alzey zum Thema Altersschwäche

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/alzey/alzey/nachtvorlesung-gesundheitsnetz-und-allgemeine-zeitung-informieren-in-alzey-zum-thema-altersschwaeche_18690029.htm

ALZEY – Froh sein über jeden Tag, an dem einem nichts wehtut. Das gibt man oft Menschen, die kurz vor ihrem 50. Geburtstag stehen, augenzwinkernd mit auf den Weg über die magische Altersgrenze. Das Thema Schmerzen betrifft nicht nur ältere Menschen. „Es tut überall weh!“ heißt das Thema der nächsten Nachtvorlesung von Gesundheitsnetz Region Alzey und Allgemeine Zeitung, die am Mittwoch, 25. April, um 19 Uhr im DRK-Krankenhaus, Konferenzraum 1/2 im Untergeschoss, stattfindet.

50 Millionen Menschen leiden unter Sarkopenie
Moderator Dr. Günter Gerhardt ist diesmal auch Referent. „Wenn Menschen im Laufe ihres Lebens körperlich schwächer werden, die Kraft nachlässt, es jeden Tag woanders zwickt, dann gilt das oft als harmlose Alterserscheinung“, sagt Gerhardt. 50 Millionen Menschen leiden weltweit unter einem ausgeprägten Muskelschwund, der sogenannten Sarkopenie. Vorstadien sind dabei nicht erfasst, weil sie eben als unvermeidlich hingenommen werden.
„Aber gerade in diesen Anfangsstadien sollte eine Behandlung beginnen, damit die großen, gefährlichen und teuren Folgeerscheinungen, wie Stürze oder die Tatsache, den Alltag nicht mehr selbstständig bewältigen zu können, unterbleiben“, stellt der Wendelsheimer Mediziner fest. Das größte Problem sei die mangelnde Aufmerksamkeit. Nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch unter Ärzten. Die wichtigste Botschaft laute: Der Verlauf des Muskelschwunds ist zu bremsen. Daher steht Sarkopenie, bei der sowohl die Muskelmasse als auch die Muskelfunktion abnimmt, im Blickpunkt der Nachtvorlesung.
Dr. Rita Hermann, Ökotrophologin aus Koblenz, ist zweite Referentin des Abends. „Nicht jedes Zipperlein, das den Körper im Alter plagt, müssen wir so einfach hinnehmen. Dies gilt auch für die kleinen Wehwehchen an Knochen und Muskeln“, sagt sie. Zeigten sich Anzeichen einer Osteoporose oder lasse die Muskelkraft nach, solle man frühzeitig an eine adäquate Ernährung sowie eine gezielte Zufuhr von Nährstoffen denken. Die Ernährungswissenschaftlerin aus Koblenz gibt Hinweise und Tipps, die helfen, auch im Alter noch gesund und aktiv zu bleiben.

Nachtvorlesung Psychosoziale Angebote aus der Region in der Rheinhessen-Fachklinik in Alzey vorgestellt

Schon Johann Wolfgang von Goethe wusste: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“ Das Glück ist also manchmal direkt vor der Haustür zu finden. Nur ist das nicht jedem bewusst. Und das gilt nicht nur für die schöne rheinhessische Landschaft als Ausflugsziel. Sondern auch für Patienten psychosozialer Krankheitsbilder sowie deren Angehörige. In der Region gibt es zahlreiche Hilfsangebote. Um die aber wahrnehmen zu können, muss man sie überhaupt erst mal kennen. Aus diesem Grund stand die Nachtvorlesung von Gesundheitsnetz und der Allgemeinen Zeitung am Mittwoch im Tageszentrum der Rheinhessen-Fachklinik (RFK) unter dem Motto „Psychosoziale Angebote in der Region“.

Wie wichtig diese sind, darauf machte der Moderator des Abends, Dr. Günter Gerhardt, schon zu Beginn aufmerksam: „Psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen nehmen immer weiter zu.“ Eine Aussage, die die Ärztliche Direktorin der RFK, Dr. Anke Brockhaus-Dumke, in ihrem Vortrag unterstrich: „Psychische Störungen sind definitiv auf dem Vormarsch.“ So habe der Anteil der Berentung aufgrund psychischer Störungen in den vergangenen Jahren stark zugenommen und mache mittlerweile bereits rund 50 Prozent aus. Dabei sei aber zu beachten, dass im Vergleich zu früher psychosoziale Krankheitsbilder mittlerweile eher festgestellt werden und viele Krankheiten nicht mehr mit so einem hohen Stigma behaftet seien.

Brockhaus-Dumke bot dann zugleich einen Überblick über die zahlreichen Angebote und Fachabteilungen der RFK. Darunter die Abteilung für Allgemeinpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, wo Patienten zwischen 18 und 65 Jahren behandelt werden, die an einer akuten psychischen Störung leiden. „Häufige Krankheitsbilder hier sind Depressionen, Persönlichkeitsstörungen und Psychosen“, sagte Brockhaus-Dumke. Auch berichtete sie von der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder den beruflichen Integrationsmaßnahmen, die Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung bei der (Wieder-) Aufnahme von Beschäftigung helfen sollen. Ganz Deutschland rede von der sektorenübergreifenden Versorgung, „wir machen es einfach.“

Von der Selbsthilfe bis zum Wohnangebot

Elfi-Gül Hollweck präsentierte die Hilfsangebote der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (Kiss) in Mainz. „Wir helfen bei der Suche nach Selbsthilfegruppen oder unterstützen diese beispielsweise bei der Beantragung von Fördermitteln, bei der Suche nach Räumlichkeiten oder bei der Erstellung von Flyern“, informierte Hollweck. „Und das komplett unentgeltlich.“

Esther Herrmann vom Verein für Integration und Teilhabe am Leben informierte beispielsweise über die Tagesstätte Oase „mitten im Herzen Alzeys“. Dort werden Menschen mit chronischen psychischen Beeinträchtigungen betreut, die Hilfe bei der selbstbestimmten Gestaltung ihres Alltags benötigen. „Ziel ist eine größtmögliche Eigenständigkeit zu erreichen“, sagte Herrmann. Dazu werden die Betreuten aber nicht nur im hauswirtschaftlichen Bereich unterstützt. „Wir bieten auch Freizeitangebote an und gehen mal zusammen in eine Kneipe“, berichtete Herrmann, ehe Anita Haas auf die Angebote des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Landkreises zu sprechen kam. Angesiedelt beim Gesundheitsamt der Kreisverwaltung berät und unterstützt der Sozialpsychiatrische Dienst kostenfrei Menschen in seelischen Krisen- und Gefährdungssituationen, psychisch kranke Erwachsene, Suchtkranke sowie deren Angehörige. Und das auf Wunsch auch im häuslichen Umfeld.

Zum Abschluss referierte Claudia Orlob über die Wohnangebote der RFK im Landkreis. Darunter das Haus Mehlberg und Haus Soonwald auf dem RFK-Gelände mit 15 beziehungsweise 28 Plätzen. Außerdem den Wohnpark im Selztal mit 24 Einzelzimmern und offenem Wohnbereich. „Und natürlich kostenloses WLAN. Das ist besonders für die jüngeren Bewohner mittlerweile sehr wichtig.“

Zum Direktlink der Allgemeinen Zeitung gelangen Sie über den folgenden Link: http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/alzey/alzey/nachtvorlesung-psychosoziale-angebote-aus-der-region-in-der-rheinhessen-fachklinik-in-alzey-vorgestellt_18462599.htm

Den Tagen mehr Leben geben – In Würde sterben – Palliativversorgung in der Region

Nachtvorlesung vom Gesundheitsnetz und AZ widmet sich der Palliativ-Versorgung der Region

November, der graue Monat, in dem die Vergänglichkeit des irdischen Daseins in den Blick rückt. Nicht von ungefähr haben Gesundheitsnetz Region Alzey und Allgemeine Zeitung auch ihre Nachtvorlesung am Mittwoch, 15.11.17 um 19:00 Uhr im Tagungszentrum der Rheinhessen-Fachklinik (RFK) in diesen thematischen Zusammenhang gestellt. Unter dem Leitthema „In Würde sterben“ beleuchtet der medizinische Informationsabend die Palliativ-Versorgung im Alzeyer Land und Rheinhessen.

Dabei werden sechs Referenten nicht nur aus der Praxis berichten, sondern auch die Fragen der Besucher beantworten. Die Moderation des Abends liegt wie immer in den bewährten Händen von Dr. Günter Gerhardt.
Christopf Samuel Kern ist Palliativmediziner, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologe, Endokrinologe und Diabetologe an der RFK. Er widmet sich der grundlegenden Frage „Was ist Palliativmedizin?“. In dieser Disziplin, so stellt Kern fest, ist nicht nur das Sterben, sondern vor allem das Leben vor dem Tod, die Zeit, die bleibt. „Ein würdevolles Dasein heißt, das einmalige und wertvolle Leben eines jeden Menschen zu schätzen, den Patienten un den Angehörigen mit Respekt zu begegnen sowie beste ärztliche, pflegerische und spirituelle Versorgung zu gewährleisten, damit Menschen in Frieden leben können“, sagt Christoph Samuel Kern.

Aus einer anderen Perspektive nähert sich Katharina Nuss dem Thema. Die Vorsitzende des Hospizvereins Dasein e. V. stellt die Arbeit des in der Volkerstadt tätigen Vereins vor. Dazu, so Nuss, gehöre die Begleitung am Lebensende des Patienten ebenso wie die Beratung von An- und Zugehörigen. Konkret leistet der Hospizverein Trauerbegleitung und sensibilisiert die Menschen für das Thema Sterben, Lebensende und Endlichkeit. Dazu leistet Dasein e. V. auch verschiedene Formen von Öffentlichkeitsarbeit, wie etwa thematische Filmabende im Bali-Kino oder Info-Aktionen auf dem Rossmarkt.

Ulrike Hase ist Oberärztin der Gerontopsychiatrie an der RFK. „Ich werde die Gerontopsychiatrische Abteilung und unseren Umgang mit dem Thema Palliativmedizin bei gerontopsychiatrischen Patienten, d. h., vornehmlich Patienten mt schwerer Demenzerkrankung, vorstellen“, kündigt sie an.

In der Praxis der ambulanten Palliativ-Versorgung kennt sich der Framersheimer Allgemeinarzt Dr. Friedel Rohr bestens aus, ist er doch auch Palliativmediziner. Der Vorsitzende des Gesundheitsnetzes Region Alzey e. V. ist aktiv in der SAPV tätig. Die Abkürzung steht für Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung. Dabei arbeiten Ärzte, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Psychologen, Therapeuten und Seelsorger der Region Hand in Hand, um die Hilfen zur Verfügung zu stellen, die von den Patienten gewünscht und gebraucht werden.

Pfarrer Joachim Putz vom Verein stationäres Hospiz Rheinhessen e. V. informiert über die Planung eines stationären Hospizes für die Region. „Ergänzend zu den anderen Angeboten wäre es dringend erforderlich, dass ein solches Hospiz gebaut wird für Rheinhessen“, ist sich Putz sicher. Es gehe dabei nicht zuletzt um die bestmögliche Versorgung der Menschen in unserer Region.

Nachtvorlesung am 14.11.17 zum Thema In Würde sterben – Palliativversorgung in der Region

„In Würde sterben“ heißt der Titel der nächsten Nachtvorlesung von Gesundheitsnetz Region Alzey und Allgemeiner Zeitung, die sich am Mittwoch, 15. November, um 19 Uhr im Tagungszentrum der Rheinhessen-Fachklinik (RFK) der Palliativversorgung in der Region widmet. Dabei werden sechs Referenten nicht nur aus der Praxis berichten, sondern auch die Fragen der Besucher beantworten. Die Moderation des Abends liegt wie immer in den bewährten Händen von Dr. Günter Gerhardt.
Christoph Samuel Kern, Palliativmediziner, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Endokrinologie und Diabetologie an der RFK, geht der Frage „Was ist Palliativmedizin?“ auf den Grund. In dieser Disziplin, so stellt Kern fest, ist nicht nur das Sterben ein wichtiges Thema, sondern vor allem das Leben vor dem Tod, die Zeit, die bleibt. Katharina Nuss, Vorsitzende des Hospizvereins Dasein e. V., stellt die Arbeit des in der Volkerstadt tätigen Vereins vor. Dazu, so Nuss, gehöre die Begleitung am Lebensende des Patienten ebenso wie die Beratung von An- und Zugehörigen. RFK-Oberärztin Ulrike Hase skizziert die Arbeit der Gerontopsychiatrie an der RFK.
Dr. Friedel Rohr, Palliativmediziner und Vorsitzender des Gesundheitsnetzes Region Alzey, ist aktiv in der SAPV tätig. Die Abkürzung steht für Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung, in der Ärzte, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Psychologen, Therapeuten und Seelsorger der Region Hand in Hand arbeiten. Pfarrer Joachim Putz vom Verein stationäres Hospiz Rheinhessen e.V. informiert über die Planung eines stationären Hospizes für die Region.