Nach Streit in Eppelsheim: Welche Erfahrungen drei kleine Gemeinden in Deutschland mit Hospizen gemacht haben

EPPELSHEIM – Gehören Hospize in große Städte? Sind sie Bürde oder Vorzeigeobjekt für eine Gemeinde? Und welche Folgen bringt eine solche Einrichtung mit sich? Fragen wie diese beschäftigen seit Wochen die Bürger Eppelsheims, wo zwei gemeinnützige Vereine gerne ein Hospiz mit zwölf Zimmern errichten wollen (die AZ berichtete mehrfach). Ein Teil der Bürger der 1200-Einwohner-Gemeinde steht dem Projekt skeptisch gegenüber. Typische Reaktion bei einem Vorhaben dieser Art oder Ausnahmefall? Die AZ hat sich in kleineren Gemeinden in ganz Deutschland umgehört, in denen es bereits ein Hospiz gibt. Was die Verantwortlichen dort berichten, ist relativ eindeutig.

„Eine absolute Bereicherung für die Region“, nennt Karl-Heinz Gebbe das Hospiz St. Veronika in seiner Gemeinde Thuine. Das 1800-Einwohner-Dorf liegt im Emsland, im Südwesten Niedersachsens. „Null Widerstand“ habe es damals 2014 gegeben, als die Einrichtung in direkter Nachbarschaft zu einem Krankenhaus eröffnet wurde, sagt der Bürgermeister. „Im Gegenteil.“ Den Menschen im Dorf sei von Anfang an klar gewesen, dass bei einem Hospiz nicht die Rendite, sondern der Mensch im Vordergrund stehe. Die Gemeinde Thuine ist bereits seit über 100 Jahren als Gesundheitsort bekannt. Schwestern der Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen eröffneten damals das Elisabeth-Krankenhaus. Mittlerweile gibt es dort noch eine Palliativstation und ein Haus zur Behandlung von Menschen mit Demenz.

Im Vergleich zu Eppelsheim verfügt Thuine über eine deutlich größere Infrastruktur: Kita, Grundschule, Haupt- und Realschule, Supermarkt und mehrere Bäckereien sind im Ort zu finden.

Für Karl-Heinz Gebbe ist das Hospiz ein fester Bestandteil seiner Gemeinde. Dass es andernorts Bedenken oder gar Ablehnung gegen den Bau einer solchen Einrichtung gebe, erschrecke ihn. Nicht zuletzt deshalb lädt Gebbe alle Skeptiker aus Eppelsheim ein, sein Dorf zu besuchen und sich vor Ort ein Bild zu machen.

Erstes Aids-Hospiz in Deutschland

Ein bisschen größer als Thuine, aber mit 2500 Einwohnern immer noch eher dörflich geprägt, ist die Gemeinde Oberharmersbach im Schwarzwald. 1990 öffnete hier auf einer Anhöhe etwas oberhalb des Ortes das Hospiz Maria Frieden seine Türen, es war damals die erste auf Aids-Patienten spezialisierte Einrichtung in ganz Deutschland. 2017 zog das Haus, in dem zuletzt auch andere sterbenskranke Menschen betreut wurden, ins nahe Offenburg. Das in den 70ern erbaute Gebäude sei stark sanierungsbedürftig gewesen, zudem sei das Haus nur über eine schmale Zufahrtsstraße erreichbar gewesen, berichtet Hauptamtsleiterin Dominika Hättig. „Wir fanden den Weggang sehr schade, denn das Hospiz war ein Aushängeschild.“

In den ersten fünf Jahren habe es im Ort durchaus auch Skepsis und Berührungsängste in der Bevölkerung gegeben, erinnert sie sich. Das habe aber vor allem daran gelegen, dass es sich um Aids-Patienten handelte. Dank einer offensiven Öffentlichkeitsarbeit der Einrichtung habe sich das aber rasch gelegt. Örtliche Vereine hätten jedes Jahr für das Haus gespendet, unter den Bürger sei das Hospiz anerkannt gewesen. Von Ängsten, dass Grundstücke durch die Nähe zu einer Einrichtung für sterbende Menschen an Wert verlieren könnten, sei ihr bis zuletzt nichts bekannt gewesen, erklärt Dominika Hättig.

Links der Donau liegt die 1900-Einwohner starke Gemeinde Niederalteich. In dem Dorf am Rande des Bayerischen Walds gibt es seit 2015 das Hospiz St. Ursula. „Und wir sind froh, dass es da ist“, sagt Bürgermeister Albin Dietrich. Ja, es habe einige wenige kritische Stimmen im Vorfeld gegeben, ein Riesenproblem sei die Ansiedlung in den Räumen eines ehemaligen Ursulinenklosters seinerzeit aber nicht gewesen. „Das Hospiz hat sich im Ort gut etabliert“, sagt Dietrich. Das Haus sei offen zugänglich, lade auch zu Veranstaltungen wie Weinfest oder Weihnachtsmarkt.

Aufgrund seiner Lage ist Niederalteich stark im Tourismusbereich aktiv, hat daher auch eine ausgeprägte Infrastruktur mit Metzger, Bäcker, Lebensmittelgeschäft, Gaststätte, Café und zahlreichen Übernachtungsmöglichkeiten. Dietrich weist allerdings darauf hin, dass für das Hospiz nur wenige dieser Angebote wichtig seien. Das Verkehrsaufkommen durch die Einrichtung bezeichnet der Bürgermeister als gering. „Für uns alle ist klar: Das Hospiz ist eine gute Sache“, sagt Dietrich.

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